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Was macht eigentlich Rudi Sandner?

"Ich bin stolz, so viele Jahre für den BCA und FCA gespielt zu haben"

Verein 26.01.2021, 11:12

Rudi Sandner lief beim BC Augsburg für sämtliche Jugendmannschaften auf. Im Stadionkurier spricht der 62-Jährige über Endspiele um die Deutsche Amateurmeisterschaft, das Abenteuer Bundesliga und hitzige Derbys zwischen den Offenbacher Kickers und Eintracht Frankfurt.

Hallo Rudi, wo habe ich dich gerade erreicht?
In der Arbeit, ich habe gerade Mittagspause.

Du bist bei den Stadtwerken Augsburg beschäftigt.
Ganz genau, inzwischen arbeite ich schon seit 1985 in der swa-Schreinerei.

Seit 1985? Das ist eine lange Zeit. Überhaupt scheinst du eine treue Seele zu sein. Du bist das, was man ein echtes FCA-Eigengewächs nennt.
Das kann man wohl sagen. Ich habe mit sechs Jahren beim BCA mit dem Kicken angefangen und alle Jugendteams beim BCA und später dann beim FCA durchlaufen.

Du hast tatsächlich in allen Jugendteams gespielt?
So ist es und mit 18 ging es dann weiter in zweite Mannschaft, die damals in der Landesliga spielte. Nach einer Saison bin ich aber zum frischgebackenen Landesliga-Aufsteiger TSG Stadtbergen gegangen. Und dann hat mich Heiner Schuhmann 1978 wieder zum FCA zurückgeholt, der damals in der Bayernliga gespielt hat.

"Die Bedingung von Seiten meiner heutigen Frau war, dass wir heiraten, bevor ich wechsle."

Zu dieser Zeit gab es noch Endspiele um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Der FCA stand im Finale gegen die Amateure des VfB Stuttgart.
(lacht) So etwas kennen heute nur noch die älteren Semester. Wir waren tatsächlich im Finale und haben gegen die Amateure des VfB Stuttgart am Ende 1:2 verloren.

1979 seid ihr von der Bayernliga in die 2. Bundesliga aufgestiegen.
Wir haben damals eine souveräne Saison gespielt, im Team standen auch Routiniers wie Hans Jörg und Claus Brandmair. Den Brandmair habe ich jeden Tag von seinem Arbeitsplatz in der Stadtsparkasse abgeholt und wir sind zusammen ins Training gefahren. Aber das Gastspiel in der 2. Bundesliga hat nicht lange gedauert, wir sind leider gleich wieder abgestiegen.

Nach dem Abstieg hast du den FCA verlassen.
Ich habe kurz darauf einen Anruf von den Offenbacher Kickers erhalten. Der OFC spielte damals in der neu eingeführten eingleisigen 2. Bundesliga und genau da wollte ich unbedingt spielen. Ich habe mich also mit den Verantwortlichen getroffen und dann ging alles ganz schnell. Die Bedingung von Seiten meiner heutigen Frau war, dass wir heiraten, bevor ich nach Offenbach wechsle. Das haben wir schnell in die Tat umgesetzt und danach ging die Reise in Richtung Hessen.

Beim OFC wurdest du sofort Stammspieler und hast es auf 115 Spiele und sieben Tore gebracht.
Insgesamt war ich vier Jahre am Bieberer Berg und bis auf die letzte Saison hatte ich dort eine tolle Zeit. Im ersten Jahr wurden wir Dritter, wir sind in den Relegationsspielen nur knapp gegen den 16. der Bundesliga gescheitert. Das war damals Bayer Leverkusen.

Es hat dann aber doch noch mit der Bundesliga geklappt.
Ein Jahr später war es soweit! Wir hatten eine tolle und gut eingespielte Truppe und so konnten wir unser großes Ziel mit unserem Trainer Lothar Buchmann tatsächlich realisieren.

Die Bundesliga muss ein Traum für dich gewesen sein, oder?
Ja, das war sie tatsächlich. Ich habe das Ganze wie in Trance erlebt. Plötzlich spielt man gegen die besten Kicker der Republik, gegen Lothar Matthäus, Felix Magath, Kalle Rummenigge, Sören Lerby, Pierre Littbarski und wie sie alle hießen. Der OFC hat ja sehr treue und fanatische Anhänger, der Bieberer Berg war immer super besucht. 30.000 Zuschauer waren selbst in der 2. Bundesliga keine Seltenheit, aber wenn du vor 60.000 Zuschauern im Westfalenstadion oder im Münchner Olympiastadion aufläufst, dann läuft es dir schon eiskalt den Rücken herunter.

„Beim Spiel im Waldstadion in Frankfurt wurde unser Mannschaftsbus mit Eiern beworfen.“

Gutes Stichwort, das Spiel gegen den FC Bayern.
Ja genau, da konnte ich sogar ein Tor gegen Jean-Marie Pfaff erzielen. So etwas vergisst man sein Leben nicht. (lacht)

Waren die Hessen-Derbys gegen Frankfurt damals auch schon so heiße Angelegenheiten?
Die Rivalität zwischen den Fans war riesig! Beim Spiel im Waldstadion in Frankfurt wurde unser Mannschaftsbus mit Eiern beworfen. Wir wollten zuerst gar nicht aussteigen. In Frankfurt spielte damals übrigens mein ehemaliger FCA-Mannschaftskollege Martin Trieb und ich erinnere mich auch gerne an die Spiele gegen den 1. FC Nürnberg mit Roland Grahammer.

Danach ging es allerdings abwärts mit dem OFC.
Es folgten zwei Abstiege hintereinander. Wir hatten eine junge und unerfahrene Truppe und haben uns mit zu vielen Jugendspielern verstärkt, das ging nach hinten los. Das letzte Jahr war ziemlich schlimm. Dann kam wieder ein Anruf von Heiner Schuhmann und so kam ich wieder zurück zum FC Augsburg.  

So lief das damals, mit einem Anruf...
Einen Berater hatten damals nur meine Teamkollegen Uwe Bein oder Michael Kutzop. Deswegen weiß ich auch gar nicht, ob ich jemals ein Angebot von einem anderen Klub hatte. Meine Zeit beim FCA dauerte leider nur ein Jahr, weil ich große Probleme mit meiner Wirbelsäule hatte. Ich habe danach zwar noch einen Versuch beim TSV Schwaben in der Landesliga unternommen, aber letztendlich musste ich doch operiert werden und war danach drei Jahre von der sportlichen Bildfläche verschwunden.

Du warst anschließend auch noch kurz Trainer, oder?
Nach drei Jahren Reha, Schwimmen und Dauerlauf habe ich mich noch einmal von Gerhard Förschner zu einem Comeback bei den Schwaben überreden lassen. Dann habe ich noch bei TSG Augsburg in der Bezirksliga gekickt und zuletzt war ich Spielertrainer beim SV Wulfertshausen. Mit 41 war endgültig Schluss.

Wie intensiv verfolgst du heute noch das Geschehen rund um den FCA?
Sehr intensiv, ich habe sehr lange für diesen Verein gespielt und darauf bin ich stolz, auch wenn ich große Sympathien für die Schwaben habe. Ich war immer regelmäßig bei den Heimspielen in der WWK ARENA und hoffe, dass wir alle bald mal wieder ins Stadion gehen dürfen.

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Stadionkurier