Was macht eigentlich Dieter Frey?
"Die Zeit beim FCA hat mich sehr geprägt!"
Dieter Frey ist seit einigen Tagen neuer NLZ-Leiter des 1. FC Nürnberg. Mit den A-Junioren des FCA konnte er 1991 den Deutschen Pokalsieg feiern. Anschließend zog es ihn zum FC Bayern München, SC Freiburg, Werder Bremen und 1. FC Nürnberg.
Hallo Dieter, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
Ich sitze gerade in meinem Büro beim 1. FC Nürnberg.
Gratulation, du bist seit einigen Tagen neuer Leiter des NLZ des 1. FCN und hast Michael Wiesinger abgelöst, der zum FC Bayern München gewechselt ist.
Danke. Ich habe 2004 beim 1. FC Nürnberg meine aktive Karriere als Spieler beendet und anschließend mit meinem Studium für das Gymnasiallehramt begonnen. Zu dieser Zeit habe ich parallel beim Club im Juniorenbereich angefangen. Los ging es mit dem Fußballkindergarten, dann war ich Co-Trainer in verschiedenen Jugendteams, danach wurde ich U15-Trainer und zuletzt war ich Ausbildungsleiter bzw. Sportlicher Leiter. Aber mit der Zeit wurde es immer schwieriger, Sport, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.
Du hast lange als Lehrer gearbeitet.
Ja, fast 15 Jahre. Bis Sommer 2023 hatte ich quasi zwei Jobs parallel, 2023 habe ich mich dann für ein Jahr von der Schule freistellen lassen und danach musste ich mich entscheiden.
Du hast die Sicherheit gegen den Fußball eingetauscht.
Ja, das stimmt, aber ich habe mir das reiflich überlegt und mit der Familie besprochen. Fußball ist schwer planbar, aber als Mathelehrer könnte ich immer wieder reinkommen. Das ist aber nicht der Plan, ich war zwar gerne Lehrer, aber der Job beim Club erfüllt mich total.
Du kommst aus dem Allgäu und alles begann beim TSV Wiggensbach und danach beim FC Kempten. Von dort kamen ja auch Spieler wie Frank Gerster und Ilhan Mansiz zu den Junioren des FC Augsburg.
Ich kenne die beiden natürlich, aber wir sind uns nicht in Augsburg begegnet, was am Altersunterschied lag.
Du warst 16, als du zum FCA gewechselt bist. Bist du damals nach Augsburg gezogen?
Nein, ich bin bei den Junioren immer gependelt, unter anderem mit meinem Teamkollegen Harald Gfreiter und später Günther Gail. Wir hatten drei Mal in der Woche Training. Wenn in der Schule Stress war, dann durfte ich auch mal einen Tag im Allgäu bleiben, aber da habe ich freiwillig zuhause noch eine Trainingseinheit absolviert. Ich war immer sehr ehrgeizig und wusste, dass man ohne Fleiß und Engagement nicht weiterkommt. Und das versuche ich auch den Jungs heute klar zu machen.
Diese Zeit war ja äußerst erfolgreich, du hast 1991 den DFB-Pokal mit den A-Junioren gewonnen. Im Team war auch Thomas Tuchel.
Das war eine tolle Zeit und ich kann mich noch gut an das Finale gegen den 1. FC Köln erinnern. Wir waren 0:2 hinten und wir haben das Spiel noch einmal gedreht. Ein Tor konnte ich erzielen, zwei Tore hat Franz Bleicher gemacht, mit dem ich Jahre später eine WG in München hatte. Er hat bei 1860 gespielt, ich bei Bayern. Meine Zeit beim FCA war für mich sehr prägend, ich habe mich in Augsburg sehr wohl gefühlt und hatte mit Heiner Schuhmann und Michael Betz zwei tolle Trainer.
Nach den A-Junioren ging es bei dir gleich weiter im Bayernliga-Team?
Der Einstieg war sehr unglücklich. Ich durfte als A-Junior bei den Profis spielen, mein erster Einsatz gegen die SpVgg Weiden ging aber in die Hose, ich bin mit einer Roten Karte vom Platz geflogen und war nach dem Spiel völlig down. Aber noch im Bus hat mich Armin Veh getröstet und gemeint, dass ich mir da keinen großen Kopf machen soll. Das Jahr drauf lief gut, ich war im Team gesetzt.
In den 90er-Jahren wechselten eine Reihe FCA-Spieler zum FC Bayern. Du bist 1992 in die Säbener Straße. Wie war das, wenn man plötzlich vor so Riesen wie Ziege, Matthäus, Scholl, Helmer oder Jorginho steht?
Man hat natürlich großen Respekt. Ich hatte das große Pech, dass ich mir in der ersten Trainingswoche alle Bänder und Sehnen im Sprunggelenk gerissen habe. Ich war für ein halbes Jahr raus, aus dem Kraftraum konnte ich die Profis beim Training beobachten und wenn die „5 gegen 2“ gespielt haben, hatte ich Zweifel, ob ich da jemals mithalten könnte. Nach sechs Monaten bin ich wieder bei Hermann Gerland bei den Amateuren eingestiegen und kurz darauf bei den Profis. Nach einigen Monaten habe ich gemerkt, dass ich mithalten kann. Ich bin in der Saison 1993/94 eingestiegen, als Franz Beckenbauer Trainer wurde.
Da wollte ich gerade einhaken. Der Kaiser hat große Stücke auf dich gehalten. War er dein größter Förderer?
Ja, neben Hermann Gerland kann man das so sagen. Der hat mich beim Bundesliga-Spiel gegen den VfB Leipzig einfach reingeschmissen und dann bin ich erst einmal geblieben (lacht). In der Zeit, als Beckenbauer den FC Bayern trainierte, habe ich auch immer gespielt, auch unter Giovanni Trapattoni. Erst als Otto Rehhagel Trainer wurde, hat sich für mich das Blatt gedreht.
1994 wurdest du mit den Bayern Deutscher Meister, 1996 UEFA-Pokalsieger, insgesamt 47 Einsätze.
Ich bin im Februar 1994 ins Team gerückt und einige Monate später war ich bereits Deutscher Meister, mit 21 Jahren. Das war natürlich unglaublich für mich, so etwas vergisst man sein Leben lang nicht mehr.
Nach einer Zwischenstation beim SC Freiburg ging es weiter zu Werder Bremen. 1999 konntest du gleich zwei Titel feiern: Deutscher Pokalsieger und UI-Cup-Sieger. War Bremen deine beste Station?
Ich habe mich in Bremen leider auch relativ früh verletzt. Ich habe es jetzt nicht ausgerechnet, aber ich schätze mal, dass ich von meinen zwölf Profijahren die Hälfte davon außer Gefecht war. Bremen war aber auch eine prägende Zeit, ich war sehr gerne dort, es ist ein besonderer Verein, meine Familie hat heute noch Kontakt zu ehemaligen Nachbarn oder Kollegen wie Christian Brand oder Marco Bode.
Anschließend folgte ein wegweisender Wechsel, du bist 2001 zum 1. FC Nürnberg gegangen und da bist du auch heute noch.
Wir haben drei Kinder und meine Frau stammt wie ich aus dem Allgäu. Ursprünglich war der Plan, dort wieder zurückzukehren. Aber jeder in der Familie hatte seine Verpflichtung, ich habe in Erlangen studiert und letztendlich leben wir jetzt dort seit 24 Jahren. Nach 20 Jahren FCN kann ich sagen, dass der Club mein Verein geworden ist.
Und jetzt bist du seit einigen Tagen der neue Leiter des NLZ beim 1. FC Nürnberg. Ist da ein Traum in Erfüllung gegangen?
Ich schmiede in meinem Leben keine großen Pläne mehr und möchte einfach Aufgaben haben, die mir Spaß machen und die ich mit einem guten Team vorantreiben kann. Insofern hätte ich gerne so weitergemacht wie bisher, weil alles in den letzten Jahren sehr gut funktioniert hat. Aber mit Wiesingers Abgang mussten wir natürlich überlegen, wie wir das alles neu strukturieren und letztendlich stehe ich weiterhin gerne für unseren Weg in der Verantwortung.
Ist der Juniorenbereich deine Spielwiese oder kannst du dir auch vorstellen, eines Tages im Seniorenteam zu betreuen?
Nein, der Nachwuchs ist mein Ding und ich habe im Seniorenbereich keine Ambitionen. Ich arbeite sehr gerne mit jungen Menschen, das war auch mit ein Grund, warum ich Lehrer geworden bin.
Wie intensiv verfolgst du das Geschehen rund um den FCA?
Ich habe dem FCA sehr viel zu verdanken und deshalb verfolge ich ihn mit großem Interesse. Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, die WWK ARENA zu besuchen. Vor ein paar Jahren waren die Jugendteams eingeladen, die den DFB-Pokal gewonnen haben, ich war aber damals leider an Corona erkrankt und konnte nicht dabei sein. Aber ich war einige Male im neuen NLZ in der Donauwörther Straße und es ist imposant, was dort geschehen ist.
Was traust du dem FCA in der restlichen Saison noch zu?
Die Zielsetzung in dieser Saison ist natürlich der Klassenerhalt. In den letzten Wochen hat sich das Team unter Manuel Baum sehr stabilisiert. Sie sind auf dem richtigen Weg und ich bin mir sicher, dass sie am Ende nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden. (ws)