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Was macht eigentlich Jos Luhukay?

„Als der Schiedsrichter abgepfiffen hat, sind alle Dämme gebrochen“

Verein 01.06.2021, 09:51

Vor zehn Jahren führte Jos Luhukay den FC Augsburg zum ersten Mal in dessen Vereinsgeschichte in die Bundesliga. Im Stadionkurier spricht der 57-Jährige über seine Zeit in Augsburg, Lob von Franz Beckenbauer und die Sekunden nach dem entscheidenden Tor von Stephan Hain.

Jos, wie hast du deinen Start beim FCA im April 2009 in Erinnerung?
Eigentlich sollte ich erst in der Saison 2009/10 loslegen. Ich bin damals aber schon sechs Spieltage vor Saisonende gekommen, denn der FCA steckte in Abstiegsgefahr. Es war zudem noch eine heikle Situation, denn der Umzug in die neue Arena stand vor der Tür. Ich kann mich noch gut an den Anruf von Andreas Rettig erinnern. Ich war mit meinem Co-Trainer Markus Gellhaus in Belgien unterwegs, um Spieler zu beobachten, als das Telefon klingelte: „Jos, du musst sofort kommen!“ Einen Tag später war ich da. (lacht)

Und der FCA hat letztendlich souverän die Klasse gehalten.
Ich glaube, wir hatten am Ende der Saison sieben Punkte Abstand nach unten.

Vor ziemlich genau zehn Jahren stieg der FC Augsburg in die Bundesliga auf. Das war eine echte Sensation, damit ging für eine gesamte Region ein Traum in Erfüllung.
Absolut. Wir hatten den Abstieg abgewendet und in der Saison darauf wurden wir sensationell Dritter. Leider sind wir in der Relegation dann knapp am 1. FC Nürnberg gescheitert. Auch im DFB-Pokal konnten wir große Erfolge feiern und haben das Halbfinale gegen Werder Bremen erreicht. Es war sensationell, dass an einem Dienstag unter der Woche mit uns über 7.000 FCA-Fans die Reise in den hohen Norden angetreten haben. Und ein Jahr später wurde dann auch der Traum von der Bundesliga tatsächlich Realität.

Kannst du uns beschreiben, was an besagtem 8. Mai 2011 in dir vorging, als Stephan Hain vier Minuten vor Schluss das entscheidende 2:1 gegen den FSV Frankfurt erzielte.
In der 78. Minute habe ich Stephan Hain eingewechselt und einige Minuten später macht er das Ding. Es war unbeschreiblich und für einige Momente ist uns allen emotional komplett der Gaul durchgegangen, egal ob Trainer, Staff oder Spieler. Das Stadion hat getobt, alles hat gebebt. So etwas hatte ich bis dato noch nicht erlebt. Aber es waren ja noch einige Minuten zu spielen. Unsere Aufgabe war es also, alle wieder herunterzubringen. Aber als der Schiedsrichter kurz darauf abgepfiffen hat, sind alle Dämme gebrochen. Ich glaube, solche Glücksmomente erlebt man nur ganz selten im Leben.

Franz Beckenbauer sagte damals über dich: „Es ist großartig, was er in Augsburg geleistet hat. Für mich ist der Trainer des Jahres“. Und du weißt ja, der Kaiser hat immer Recht.
(lacht) Ja, wenn jemand wie Beckenbauer so etwas über einen sagt, dann ist das schon eine große Ehre.

Danach wurden wir von vielen Fußballexperten als Absteiger Nummer eins gehandelt, letztendlich erreichte der FCA den 14. Platz.
Man muss diese Platzierung genauso hoch bewerten, wie den Aufstieg. Wenn ich heute so zurückblicke und sehe, dass der FC Augsburg nach zehn Jahren immer noch in der Bundesliga spielt, dann freut mich das und es erfüllt mich auch mit Stolz, weil ich einen Teil zu dieser Erfolgsgeschichte beisteuern konnte.

„Und sei doch bitte so freundlich und grüß alle Leute in Augsburg.“

Du hast das Kunststück geschafft, gleich mit drei Klubs in die Bundesliga aufzusteigen: mit Borussia Mönchengladbach, dem FCA und Hertha BSC.
Ein Aufstieg ist immer etwas ganz Besonderes, aber das mit dem FCA hat für mich schon noch einen höheren Stellenwert, weil Augsburg zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen ist und auch von der Infrastruktur mit den anderen Klubs nicht zu vergleichen war. Damals gab es gerade einmal zwölf Leute in der Geschäftsstelle an der Donauwörther Straße, wenn ich mich recht entsinne.

122 Spiele stehen auf deinem FCA-Konto, so viele wie bei keinem anderen Verein. Wie würdest du deine Zeit in Augsburg beschreiben?
Ich glaube, dass meine Zeit beim FCA die bisher schönste war. Wir hatten eine sehr gute Mannschaft und ein tolles Umfeld. Ich habe mich mit allen im Verein sehr gut verstanden, wir waren sportlich erfolgreich, es hat also wirklich alles zusammengepasst.

Mit Andreas Rettig, der dich zum FCA lotste, hast du ein besonderes Verhältnis.
Ja, den Andi kannte ich ja noch aus meiner Zeit beim 1. FC Köln, er hat mich erst nach Augsburg und dann zum FC St. Pauli gelotst. Wir haben ein sehr vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis, wie man es nicht alle Tage findet.

2018 warst du reif für die Insel. Du hast bei Sheffield Wednesday angeheuert. Wie waren deine Erfahrungen bei den „Owls“ in England?
Die Championship, die zweite englische Liga, ist eine unglaublich intensive Spielklasse. Du hast 46 Meisterspiele und dann noch zwei Pokalwettbewerbe, da kann man schon auf bis zu 60 Saisonspiele kommen. Da ist es schwer, nachhaltig zu arbeiten, denn da geht es nur um die Ergebnisse. Die Klubs gehören hauptsächlich Investoren aus Thailand, Malaysia oder aus dem Nahen Osten, für die zählt nur der schnelle Aufstieg in die Premiere League. In Deutschland spielen in der 2. Bundesliga vielleicht fünf oder sechs Klubs um den Aufstieg, in England, wo sechs Mannschaften sich für die Relegationsspiele qualifizieren können, sind es bis zu zwölf. Auch wenn es anstrengend war, die Zeit in England hat mir gut gefallen und ich habe dabei auch viel mitnehmen können.

Wie sehr verfolgst du noch das Geschehen hier in Augsburg?
Wie gesagt, Augsburg spielt eine besondere Rolle in meinem Leben. Ich verfolge die Entwicklung bei euch mit großem Interesse und hoffe, dass sich der Klub noch lange in der Bundesliga halten wird. Und sei doch bitte so freundlich und grüß alle Leute in Augsburg! (ws)

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Stadionkurier