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Heute vor 57 Jahren: Haller holt den Scudetto

Bologna gewinnt nach dramatischer Saison die Meisterschaft

Verein 07.06.2021, 08:21

Vor 57 Jahren holt der FC Bologna seine letzte Meisterschaft. Angeführt von Helmut Haller, der mit seiner Mannschaft in einer dramatischen Saison allen Widerständen trotzt. Eine Geschichte über manipulierte Dopingproben, einen tragischen Trauerfall und das einzige Entscheidungsspiel der Serie A. 

Am 7. Juni 1964 endet für den FC Bologna eine 23-jährige Wartezeit. Über zwei Jahrzehnte mussten die Fans der lange Zeit erfolgsverwöhnten „Rossoblu“ auf ihre siebte Meisterschaft warten. Der Scudetto beendet nicht nur die lange Durststrecke ohne Titel, sondern ist zugleich der krönende letzte Akt einer dramatischen Saison, die an irren Wendungen nur schwer zu überbieten ist.

Zwei Jahre zuvor ist Helmut Haller aus Augsburg nach Bologna gewechselt. Die glorreichen Zeiten der Norditaliener liegen allerdings bereits einige Jahre zurück. Von 1936 bis 1941 holte Bologna in sechs Jahren vier Mal die Meisterschaft. Nach dem zweiten Weltkrieg rutschen „I Veltri“ („Die Windhunde“), wie die Mannschaft auch genannt wird, ins Mittelmaß ab, entkommen zwei Mal gerade so noch dem Abstieg. Anfang der Sechziger Jahre pirscht sich Bologna allerdings allmählich wieder an die Spitzenklubs aus Mailand und Turin heran, landet 1962 und 1963 jeweils auf Platz vier.

Der Start in die Saison 1963/64 läuft für Haller & Co. recht holprig, von den ersten neun Spielen gewinnt Bologna nur drei, für den Kampf um den Titel scheint es auch dieses Jahr nicht zu reichen. Im Herbst fängt die Mannschaft von Trainer Fulvio Bernardini allerdings auf einmal an zu gewinnen – und hört einfach nicht mehr damit auf. Zehn Spiele in Folge gewinnen „I Rossoblu“, die sich im Schatten der beiden Mailänder Klubs in der Tabelle immer weiter nach oben schleichen und schließlich an der Spitze festsetzen.

Punktabzug nach positiven Dopingproben

Spätestens als die Mannschaft im Frühjahr auch Verfolger AC Mailand 2:1 schlägt, scheint der Scudetto für das als Außenseiter gestartete Bologna plötzlich zum Greifen nah. Mitten in die Euphorie über den Sieg im Spitzenspiel platzt jedoch die Bombe. Der Verband gibt bekannt, dass einige Wochen zuvor fünf Kollegen Hallers positiv auf das Dopingmittel Sympamin getestet wurden. Die fünf Spieler und Trainer Bernardini werden gesperrt, Bologna werden umgehend drei Punkte abgezogen - ein herber Rückschlag im Kampf um den Scudetto. In der heißen Phase des Titelrennens rutschen „I Veltri“ damit von Platz eins.

Die nächsten Wochen versinken im Chaos. In Bologna wittern die Fans eine Verschwörung und gehen zu Tausenden auf die Straßen. Schließlich schaltet sich die Staatsanwaltschaft ein und lässt die Proben erneut untersuchen. Nachdem die B-Proben alle negativ ausgefallen sind, werden die A-Proben erneut untersucht. Das Ergebnis: Der Anteil an Sympamin ist so hoch, dass jemand die Proben manipuliert haben muss. Wer sich an ihnen zu schaffen gemacht hat, ist bis heute unklar.

Drei Wochen vor Saisonende bekommt Bologna die drei Punkte wieder zurück, allerdings hat der Wirbel um die manipulierten Proben die Mannschaft aus dem Tritt gebracht. So liegen „I Rossoblu“ und Inter Mailand gleichauf – und laufen am letzten Spieltag schließlich punktgleich ins Ziel ein.

Für dieses Szenario hat der Verband zunächst keine Lösung, die Tordifferenz spielt damals noch keine Rolle. So wird zum bis heute einzigen Mal in der Geschichte der Serie A ein Entscheidungsspiel um die Meisterschaft angesetzt. Während Inter wenige Tage zuvor den Europapokal der Landesmeister gegen Real Madrid gewonnen hat und vor Selbstvertrauen strotzt, erreicht die Mannschaft von Bologna die nächste Hiobsbotschaft. Vier Tage vor dem wichtigsten Spiel seit über zwei Jahrzehnten stirbt Präsident Renato Dall'Ara an einem Herzinfarkt. Bologna steht unter Schock, eine Absage des Spiels steht im Raum.

Foglis Freistoß bricht den Bann – Ehre für Haller

Am Ende entscheiden sich Haller & Co zu spielen, auch für ihren verstorbenen Präsidenten. Vielleicht ist es der Trotz, sich in einer Saison voller Widerstände doch noch den verdienten Lohn zu sichern, der die Mannschaft antreibt. In jedem Fall sind „I Veltri“ die dominantere Mannschaft, erspielen sich Chance um Chance, bekommen den Ball aber einfach nicht im Mailänder Tor unter. So läuft bereits die Schlussphase, als ein Freistoß von Romano Fogli entscheidend abgefälscht wird - und zum 1:0 für Bologna im Tor einschlägt. Kurz vor dem Ende erhöht Harald Nielsen mit seinem 21. Saisontor auf 2:0 und beseitigt damit die letzten Zweifel: Bologna ist zum siebten Mal Italienischer Meister. Mit Blick auf FC-Präsident Dall’Ara titelt eine Zeitung: "Er sah und war glücklich!"

Helmut Haller hat am Scudetto großen Anteil. Der Angreifer steht in allen 34 Spielen über die komplette Distanz auf dem Platz und steuert insgesamt sieben Treffer bei. Neben der Meisterschaft mit Bologna wird Haller später auch persönlich eine große Ehre zuteil. Als erster Ausländer der Serie A wird „Il Biondo“ 1964 als Italiens Fußballer des Jahres ausgezeichnet.

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Helmut Haller