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Was macht eigentlich Georg Beichle?

Was macht eigentlich Georg Beichle?

"Das Spiel gegen Pelé zählt zu meinen persönlichen Highlights"

Verein 20.10.2020, 10:28

In drei Jahren (1976 bis 1979) erzielte Georg Beichle 43 Zweitliga-Tore für den FC Augsburg. Im Stadionkurier spricht der 72-Jährige über die gemeinsame Zeit mit FCA-Legende Helmut Haller, Trainer Max Merkel und ein Duell mit dem besten Fußballer aller Zeiten.

Hallo Herr Beichle, wo haben wir Sie gerade erreicht?
In meinem Garten bei mir zuhause in Hohenwart. Der hat über 2.500 Quadratmeter Fläche, da gibt es immer viel zu tun, langweilig wird es mir also nie.

Sie haben beim FCA unter anderem mit dem dänischen Keeper Benno Larsen gespielt. Er war der erste ausländische Nationalspieler beim FCA. Haben Sie heute noch Kontakt zu ihm?
An Benno kann ich mich noch gut erinnern, er war ein netter Kerl. Aber ich habe heute kaum noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern. Wen ich ab und zu noch treffe, ist Edgar Schneider, der von 1973 bis 1978 beim FCA gespielt hat und vom FC Bayern kam. Er ist Pforzheimer und wohnt nicht weit von mir.

30. Juni 1971 – was sagt Ihnen dieses Datum?
Da haben Sie mich kalt erwischt. Das sagt mir nichts, was war denn an diesem Tag?

Da haben Sie gegen den großen Pelé gespielt. Wie kam es zu diesem Duell?
Ja, natürlich, jetzt erinnere ich mich wieder. Wir hatten mit Hannover 96 gegen den FC Santos ein Freundschaftsspiel. Die Brasilianer waren damals in Europa auf Tour und so kam es zu diesem Aufeinandertreffen. Pelé war einer der größten Spieler überhaupt und allein deshalb zählt dieses Spiel zu meinen persönlichen Highlights. Ich habe mir danach ein Autogramm mit persönlicher Widmung geholt und das habe ich bis heute aufbewahrt.

"Präsident Canellas verschliss in dieser einen Saison sage und schreibe sieben Trainer."

Mit 18 Jahren haben Sie noch für Phoenix Mühlacker gespielt. Das ist heute undenkbar, dass ein späterer Bundesliga-Spieler in diesem Alter noch bei einem so kleinen Verein spielt.
Allerdings. Davor habe ich beim TSV Wiernsheim gespielt, da war Mühlacker fast die große Welt für mich.

Und dann ging es in die Weltstadt Pforzheim.
(lacht) Ich habe schon als A-Jugendlicher in der ersten Mannschaft bei Phoenix gespielt und eines Tages flatterte dann das Angebot vom VfR Pforzheim rein, der damals in der viertklassigen Amateurliga Nordbaden gespielt hat. Das war eine tolle Gelegenheit für mich als Jungspund.

Auch da waren Sie nicht lange, denn es folgte ein Wechsel in die Bundesliga zu den Offenbacher Kickers.
Der OFC war gerade erst aufgestiegen und deswegen hatte ich mir Chancen auf regelmäßige Einsätze erhofft. Aber es wurde eine turbulente Saison, der damalige Präsident Canellas verschliss in dieser einen Saison sage und schreibe sieben Trainer.

Horst-Gregorio Canellas? Da war doch was mit dem Bundesliga-Skandal 1970/71?
Er hat damals mit Tonbändern den ersten Bestechungsskandal im deutschen Fußball ans Licht gebracht.

Haben Sie als Spieler davon etwas mitbekommen?
Nein, überhaupt nichts, ich war viel zu jung und unerfahren, ich habe alles erst später aus den Medien erfahren. Nach diesem Chaos-Jahr wollte ich aber schnell wieder in ruhigere Gefilde und da kam das Angebot von Hannover 96 genau zum richtigen Augenblick.

Vor wie vielen Zuschauern hat man Anfang der Siebziger in der Bundesliga gespielt?
Im Schnitt waren es an die 15.000, aber wenn es gegen den FC Bayern München ging, war die Hütte voll.

Stimmt es, dass Sie sogar mal beim FC Bayern als Neuzugang gehandelt wurden?
Ich war zu dieser Zeit Amateur-Nationalspieler und mein Trainer war Jupp Derwall. Der wollte unbedingt, dass ich bei einem Topklub unterkomme. Ich hatte damals Angebote vom VfB Stuttgart und von Eintracht Frankfurt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass mein Wechsel zum OFC ein großer Fehler war. Mein Traum war damals die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972, ich wollte spielen und nicht auf der Bank sitzen. Aber leider ist dieser Traum nicht in Erfüllung gegangen, ich wurde als einer der letzten Kandidaten aus dem Olympiakader gestrichen. Ein weiteres Opfer war damals übrigens auch Ottmar Hitzfeld.

"Max Merkel war eine schillernde Persönlichkeit und eine Nummer für sich."

Über die Stationen SpVgg Ludwigsburg 07, SSV Jahn Regensburg und FK Pirmasens sind Sie dann 1976 beim FC Augsburg gelandet. Beim FCA haben Sie 114 Spiele in der 2. Bundesliga absolviert und konnten dabei 43 Tore erzielen. Sie waren also ein echter Torjäger.
Der FCA war eine gute Entscheidung für mich. Ich habe mich dort richtig wohl gefühlt, ich war drei Jahre Stammspieler und mochte die Stadt und das Stadion. Es war eine tolle Zeit, leider sind wir 1979 in die Bayernliga abgestiegen.

1976 haben Sie beim FCA Max Merkel als Trainer erlebt. Oder soll man „überlebt“ sagen?
(lacht) Max Merkel war schon eine schillernde Persönlichkeit und eine Nummer für sich, ich kam aber sehr gut mit ihm klar. Wenn man sich voll reingehängt und seine Leistung gebracht hat, dann hatte man gute Karten bei ihm. Ich kann also nichts Negatives über ihn sagen. Aber es war generell eine relativ unruhige Zeit beim FCA, auch ohne Merkel. Ich habe in diesen drei Jahren einige Trainer erlebt, wie etwa Gerd Mende, Horst Cieslarczyk, Werner Olk, Werner Sterzik, Heiner Schuhmann und eben Max Merkel.

Und Sie haben noch mit der Augsburger Legende Helmut Haller gespielt.
Ja, er war nach seiner Rückkehr noch eine Saison beim BSV Schwenningen und ist dann wieder zum FCA zurückgekehrt. Helmut war ein netter und hilfsbereiter Mensch. Ich mochte ihn sehr und er war ein fantastischer Techniker. Gelaufen ist er nicht mehr viel, aber am Ball war er immer noch erstklassig.

Wie haben Sie Ihre Zeit als Zweitliga-Spieler beim FCA erlebt, wie waren denn damals die Bedingungen?
Von den Strukturen her war der FCA damals ziemlich gut aufgestellt und auch die medizinische Betreuung war gut. Uns hat es kaum an kaum etwas gefehlt, wir haben auch damals schon vor den Spieltagen meist in Hotels übernachtet, aber mit dem Rundumservice heute kann man das natürlich nicht vergleichen.

Als 1979 der Abstieg in die Bayernliga folgte, haben Sie den Verein verlassen.
Ich war über 30, meine Tochter war kurz zuvor geboren worden und wir haben zu dieser Zeit unser Haus gebaut. Ich wollte meiner Familie keinen weiteren Umzug mehr antun und deswegen sind wir wieder zurück in unsere schwäbische Heimat. Dort habe ich meine Karriere beim VfR Pforzheim ausklingen lassen.

Sie haben für keinen anderen Verein mehr Spiele absolviert als für den FCA. Wie sehr verfolgen Sie heute noch das Geschehen in der Fuggerstadt?
Ich bin jetzt schon seit über 40 Jahren weg aus Augsburg und habe heute mit über 70 Jahren keinen echten Bezug mehr zu meinen früheren Klubs. Aber natürlich verfolgt man, was die alten Vereine so machen. Ich schaue heute noch gerne Spiele im TV an, aber einen richtigen Lieblingsklub habe ich nicht.

Hätten Sie gedacht, dass der FC Augsburg mal zehn Jahre hintereinander in der Bundesliga spielen würde.
(lacht) Nein, aber das hätten damals auch die tollkühnsten Optimisten nicht gedacht.

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Stadionkurier