Was macht eigentlich Rainer Hörgl?
"Die Zeit in Augsburg war wunderbar"
Trainer Rainer Hörgl ist 2006 das Kunststück gelungen, nach einem Vierteljahrhundert mit dem FCA wieder in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Damit hat er einen Platz in den Geschichtsbüchern des FC Augsburg sicher. Beim heutigen Spiel gegen die TSG Hoffenheim ist das Aufstiegsteam von 2006 zu Gast in der WWK ARENA. Walter Sianos funkte zu ihm nach Villach.
Hallo Rainer, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
Im Rentenexil in Kärnten. Meine Frau und ich sind vor zwei Jahren nach Villach übergesiedelt und werden hier noch ca. 18 Monate bleiben und dann geht es wieder in unsere Heimat ins Berchtesgadener Land zurück. Wir wollten noch einmal etwas anderes machen, Kärnten ist wunderschön, nahe an Italien und wir genießen unsere Zeit hier sehr.
Wie man an deinem Profilbild unschwer erkennen kann, bist du sportlich immer noch sehr aktiv.
Wir schauen, dass wir gesund bleiben, und dazu gehört eben moderater Sport dazu. Radfahren, Nordic Walking, Bergwandern, Skifahren – wir streben keine Höchstleistungen an, aber wir sind regelmäßig in Bewegung und fühlen uns fit.
Apropos Gesundheit: Ernährung war ja bei dir auch immer ein großes Thema. Du hast in deiner Augsburger Zeit da neue Wege eingeläutet, die anfangs nicht jedem geschmeckt haben. Ich erinnere mich, als es auf dem Speiseplan plötzlich Spaghetti mit Tomatensoße und Zucchini gab. Sehr zum Unmut unseres italienischen Mannschaftsbetreuers Salvatore Belardi.
(lacht) Wir waren da sicherlich so etwas wie Vorreiter, auch bedingt durch meine Freundschaft zu einem Ernährungswissenschaftler. Wie das eben so ist, wenn man neue Wege geht, gibt es auch Leute, die so etwas kritisch sehen oder es gar belächeln. Heute ist das Standard, richtige Ernährung spielt eine wesentlich extremere Rolle und ist bei den Spielern inzwischen auch so verankert, dass sie auch im Privatleben darauf achten.
Mit Österreich verbindet dich auch sportlich einiges. Du hast in der ersten österreichischen Liga für Austria Salzburg und später für Innsbruck gespielt und warst Trainer beim Grazer AK und bei Schwarz-Weiß Bregenz.
Das ist natürlich bedingt durch meinen Wohnort, der nur 20 Kilometer von der österreichischen Grenze liegt. So bin ich als Spieler bei Austria Salzburg gelandet und weitere Stationen als Spieler und Coach folgten.
Beim Grazer AK warst du erst Co-Trainer von Bayern-Legende Klaus Augenthaler. Wie war das mit ihm?
Super! Der Klaus hat natürlich eine große Reputation. Er war 22 Jahre beim FC Bayern, er wurde Deutscher Meister, Pokalsieger und Weltmeister 1990 mit der Nationalmannschaft. Das war ein großer Erfahrungsschatz für mich. Wir haben uns 1992 in Köln kennengelernt, als wir unsere Trainerlizenz dort gemacht haben. Er hat mir die Türe zum FC Bayern geöffnet, ich war der erste hauptamtliche U16-Jugendtrainer dort und später folgte dann der Schritt nach Graz. Ich konnte mir in seinem Schatten dort einen Namen machen.
Walther Seinsch hat mal in einem Interview erzählt, dass er in Bregenz auf dich als Trainer aufmerksam wurde. Kannst du dich noch an den ersten Kontakt bzw. Treffen mit ihm erinnern?
Sehr gut sogar. Er hat mich bereits 2002, kurz nach dem Aufstieg des FCA in die Regionalliga, nach Augsburg eingeladen. Wir haben uns in einem Café am Rathausplatz getroffen und hatten einen sehr konstruktiven Austausch. Ich habe ihm aber damals gesagt, dass ich nicht zur Verfügung stehe, denn wir sind damals mit Bregenz in die erste Liga aufgestiegen und das mit einer jungen und unerfahrenen Truppe. Ich wollte mein Team nicht im Stich lassen, wir konnten sogar sehr souverän die Klasse halten. Aber wir sind immer in Kontrakt geblieben und einige Jahre später war es dann so weit.
Im September 2004 hast du Armin Veh abgelöst und bist von Schweinfurt zum FCA gewechselt. Du bist ziemlich genau auf den Tag drei Jahre geblieben.
Als ich Trainer in Schweinfurt war, haben wir kurz vor Saisonende gegen den FCA gespielt und da eines unserer besten Saisonspiele abgeliefert. Wir konnten zwar die Klasse halten, aber der DFB verweigerte dem Klub die Lizenz und dann war auch Schluss für mich. Als einige Wochen später Armin Veh beim FCA beurlaubt wurde, war der Weg sozusagen für beide Seiten frei und Seinsch hat mich nach Augsburg geholt.
Und es begann eine Erfolgsstory mit Hindernissen.
Es ging los mit Siegen in Mainz und daheim gegen Wehen Wiesbaden. Dann haben wir drei Spiele hintereinander verloren und viele in Augsburg dachten, das war's bereits. Aber dann haben wir eine Serie mit 20 Spielen ohne Niederlage bis zum letzten Spieltag gestartet.
Aber ausgerechnet dieser Spieltag hat ganz Augsburg in Trauer versetzt.
Es war dieses denkwürdige und dramatische Spiel gegen Jahn Regensburg. 20.000 erwartungsvolle Zuschauer, alles war schon auf Aufstieg getrimmt, und dann verlieren wir kurz vor Schluss 1:2. Das war extrem bitter, aber wenn man heute zurückblickt, war es der Anfang einer unglaublichen Reise.
Letztendlich seid ihr gestärkt in die kommende Saison gegangen und souverän in die 2. Bundesliga aufgestiegen.
Wir haben die Mannschaft zusammengehalten, uns punktuell mit Spielern verstärkt und sind mit einem großen Selbstvertrauen in die Saison gegangen. Am Ende haben wir sehr souverän den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft.
Das ist jetzt genau 20 Jahre her, der FC Augsburg ist nach fast einem Vierteljahrhundert wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Damit ist dir ein Platz in den FCA-Geschichtsbüchern sicher.
Das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl, die Zeit in Augsburg war wunderbar und ich hänge heute noch an der Stadt und am Klub.
In der Saison 2006/07 gab es in der 2. Bundesliga ein unglaubliches Spiel. Ich sage nur 16. März 2007. Da klingelt es doch bestimmt bei dir.
Selbstverständlich! Es war vielleicht nicht unser bestes Spiel, aber alleine die Tatsache, dass über 35.000 FCA-Fans in die Allianz Arena gepilgert sind, hat uns unheimlich beflügelt. Das war wirklich ein außergewöhnlicher Tag und jeder FCA-Fan war stolz. Ich glaube auch, dass das für Walther Seinsch ein ganz großer Augenblick war, denn zehn Minuten vor dem Ende der Partie saß er plötzlich mit einem breiten Grinsen auf der Trainerbank.
Weißt du noch die Torschützen?
Leo Haas, Axel Lawarée und Patrick Mölzl. Ich glaube, das war Patricks einziges Kopfballtor in seiner Karriere (lacht).
Beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim ist zum 20-jährigen Jubiläum die Aufstiegsmannschaft von 2006 zu Gast. Wie groß ist die Freude, deine ehemaligen Spieler wieder zu treffen?
Sehr groß natürlich und ich freue mich auf diesen Tag. Wenn man solche Erlebnisse und Erfolge miteinander geteilt hat, verbindet das natürlich. Ich bin sehr gespannt, wie meine Jungs sich so gemacht haben und ob sich der eine oder andere auch figürlich verändert hat (lacht). (ws)