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Was macht eigentlich Günter Heberle?

„Es spricht für die Klasse eines Vereins, wenn er seine ehemaligen Spieler nicht vergisst.“

Verein 20.04.2022, 10:25

1992 wurde Günter Heberle mit den A-Junioren Pokalsieger. Im Stadionkurier spricht der 48-Jährige über den Triumph vor 30 Jahren, sein Markenzeichen und das Wiedersehen mit seinen ehemaligen FCA-Mitspielern zum Heimspiel gegen Wolfsburg. 

Servus, Günter. Es ist zehn Uhr morgens. Wo habe ich dich gerade erreicht?
In meinem Büro. Ich bin seit vielen Jahren selbständiger Unternehmer, ich habe mehrere Handyläden und mit der Firma Hetec ein Telekommunikationsunternehmen. Ich habe da schon sehr früh die Weichen gestellt und einen Job gefunden, der zu mir passt und darüber bin ich sehr happy.

Wo wohnst du eigentlich?
In bin in der Traunsteiner Region daheim, das haben die Eltern damals gut gemacht.

Obwohl du im hohen Norden, genau gesagt in Kiel, geboren bist.
Meine Eltern sind beide Köche von Beruf und mein Vater war Schiffskoch bei der Marine und deshalb durfte ich in Kiel auf die Welt kommen. Als ich noch klein war, sind wir dann nach Bayern gezogen, was für mich gerade am Anfang nicht ganz leicht war, denn in der Schule war ich der „neue Saupreiß“. Aber ich habe mich schnell akklimatisiert und fühle mich hier unten pudelwohl. Im Herzen bin ich schon lange ein Bayer.

Beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gab es zum 30-jährigen Jubiläum ein Wiedersehen mit den A-Junioren-Pokalsiegerteams von 1991 und 1992. Du warst in der WWK ARENA. Wie hast du den Tag erlebt?
Es war ein überragendes Erlebnis und es war toll, die alten Kollegen wieder zu treffen. Wir hatten uns schon lange nicht mehr gesehen, aber viele haben sich charakterlich gar nicht groß verändert. Nur sind bei dem einen oder anderen schon so 20 Kilo dazugekommen. (lacht) Es war sein sehr, sehr schöner Tag und es spricht für die Klasse eines Vereins, wenn er seine ehemaligen Spieler nicht vergisst und mit solchen Einladungen wertschätzt. Der FCA hat Wolfsburg dann ja auch noch 3:0 besiegt, kurzum: Es war ein perfekter Tag.

Als ich zum Treffpunkt gekommen bin, habe ich mir schon von Weitem gedacht, der Blonde mit der Mähne, das kann nur der Günter Heberle sein. Du hattest ja früher schon eine ziemlich lange Matte.
Ja, meine Haare waren schon immer mein Markenzeichen und das hat sich bis heute auch nicht geändert. Jetzt muss ich nur immer wieder mal mit etwas Farbe nachhelfen, um das Blond zu erhalten. (lacht) Früher waren lange Haare eher unüblich und ich bin oft mit einem oder zwei Zöpfen wie Goran Ivanisevic aufgelaufen und da wurde man gerade bei Auswärtsspielen schon mal blöd angemacht. Aber das war für mich immer eine zusätzliche Motivation und die Antwort gab es dann halt auf dem Platz.

1992 hat der FC Augsburg zum zweiten Mal in Folge den DFB-Pokal der A-Junioren gewonnen. Im Endspiel konntet ihr Eintracht Braunschweig 3:1 bezwingen. Wie hast du das alles in Erinnerung?
Ich war schon Tage zuvor total nervös. Es war ein sehr ausgeglichenes und umkämpftes Spiel, das letztendlich im Elfmeterschießen entschieden wurde. Ich war ein lausiger Elferschütze und nachdem die ersten fünf Strafstöße alle verwandelt wurden, rückte mein Elfer immer näher und mir wurde immer heißer. Aber Gott sei Dank war das Spiel schon zu unseren Gunsten entschieden, bevor ich an der Reihe gewesen wäre.

„Meine Trainer wussten, dass sie sich voll auf mich verlassen konnten.“

Anschließend hast du gleich den Sprung ins Bayernliga-Team geschafft, dein Trainer damals war Armin Veh. Wie hat es dich überhaupt nach Augsburg verschlagen?
Ich habe bis zu den B-Junioren bei 1860 München gespielt und Heiner Schuhmann wollte mich unbedingt haben und hat mir einen Wechsel nach Augsburg schmackhaft gemacht. Mir war wichtig, dass ich neben dem Fußball mein Fachabitur machen konnte und diese Möglichkeit hat mir der FCA geboten. Ich zog also mit 17 ganz alleine nach Augsburg, bin tagsüber in die Schule und danach immer ins Training gegangen. Heiner Schuhmann, der ja selbst Lehrer war, hat mir sehr geholfen und ich kenne noch heute seine Telefonnummer auswendig. Später bei Armin Veh durfte ich schon als Juniorenspieler mittrainieren und obwohl die Konkurrenz groß war, bekam ich bei ihm meine ersten Einsätze in der Bayernliga, der damals dritthöchsten Liga.

In dieser Mannschaft standen neben Vereinsgrößen wie Andi Dörr und Jürgen Haller auch Spieler, die sich später voll im Profifußball etabliert haben. Man denke nur an Dieter Frey und Wolfgang Gerstmeier (beide FC Bayern), Leo Bunk (1860 München, VfB Stuttgart), Andreas Meyer (St. Pauli, FC Aberdeen, Rosenborg Trondheim) oder Janos Radoki (SSV Ulm).
Ja, das war schon eine super Truppe! Wir spielten damals mit 1860 München mit Wildmoser und Lorant in der selben Liga. Beide Teams wollten Meister werden und aufsteigen, am Ende wurde Sechzig Erster und wir knapp dahinter Zweiter. Ich erinnere mich gerne daran, wie der etablierte Marcus „Max“ Zimmermann mir als jungem, wildem und unerfahrenem Büffel immer geholfen hat, obwohl er mein direkter Konkurrent war. Genau so habe ich es dann übrigens auch selbst im Umgang mit jungen Spielern praktiziert.

Nach zwei Jahren bist du zu Wacker Burghausen gewechselt, danach folgten unter anderem Stationen bei 1860 München, den Stuttgarter Kickers oder Schweinfurt 05. Insgesamt hast du von der Oberliga bis hin zur 2. Bundesliga beachtliche 345 Pflichtspiele absolviert.
Meine größte Stärke war es, dass ich einfach voll Bock aufs Kicken hatte. Ich habe immer mehr trainiert als die anderen, war immer der Erste, der kam, und der Letzte, der ging. Bei den Stuttgarter Kickers habe ich übrigens zusammen mit Markus Weinzierl gespielt und war zwar nicht so talentiert wie er, aber durch meinen Einsatz und meine Liebe zum Sport war ich trotzdem fast immer Stammspieler. Meine Trainer wussten eben, dass sie sich voll auf mich verlassen konnten.

In der Saison 1999/2000 bist du noch einmal zum FC Augsburg in die Regionalliga zurückgekehrt. Es war eine turbulente Saison, du hast alle 34 Spiele absolviert, doch dann kam der Infomatec-Crash...
Das war sehr schade für mich, weil ich mich gerade in Augsburg immer sehr wohl gefühlt habe, aber manchmal wird man im Leben eben vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich hatte beim FCA eine sehr gute Saison gespielt, war ablösefrei und habe dann ein Angebot von Schweinfurt 05 bekommen, noch einmal 2. Bundesliga zu spielen.

Nach deiner aktiven Laufbahn bist du auch ins Trainergeschäft eingestiegen und warst unter anderem Co-Trainer bei Wacker Burghausen.
Fußball war immer meine große Leidenschaft, aber ich habe schon sehr früh zweigleisig geplant und bereits mit 19 Jahren meine Firma gegründet, das ist jetzt auch schon 29 Jahre her. Ich hatte Lust, meine Erfahrungen im Trainerbereich zu machen und war unter Uwe Wolf bei Burghausen Co-Trainer. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich diesen Job nicht mit meinem Unternehmen vereinbaren konnte. Trotzdem war es eine schöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte aber letztendlich ist es gut, wie es gekommen ist. Ich bin ein rundum zufriedener Mensch. (ws)

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Stadionkurier