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Was macht eigentlich Georg Teigl?

„Ich bin jemand, der sich gerne Herausforderungen stellt!“

Verein 03.05.2022, 10:29

Vor knapp zwei Jahren wechselte Georg Teigl vom FC Augsburg zurück in seine österreichische Heimat zu Rapid Wien. Im Stadionkurier spricht der 31-Jährige über seine schwere Kopfverletzung vor einigen Wochen, neue Lebenslust und sein Alltag abseits des Fußballs.

Hallo Schurli, wo habe ich dich gerade erreicht?
Ich bin derzeit in Salzburg auf Reha. Wobei ich die Regenerationsphase schon hinter mir habe und mich derzeit im Aufbautraining befinde. Ich hoffe sehr, dass ich schon nächste Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann.

Wie ist das, wenn man sich wochenlang alleine quälen muss und nicht mit der Mannschaft trainieren kann?
Klar ist es schöner, mit dem Team auf dem Platz zu stehen, aber letztendlich ist das für mich kein Problem. Ich kann mich sehr gut selbst motivieren, alles, was schwierig erscheint, macht mich an und ich bin jemand, der sich gerne Herausforderungen stellt.

Diese Einstellung hast du sicherlich von deinem Vater geerbt, der ja ein erfolgreicher Bobfahrer war und 1988 sogar an den Olympischen Winterspielen in Calgary teilgenommen hat.
Ja, das ist gut möglich, aber wir sind generell eine sehr sportliche und ehrgeizige Familie.

Ende Februar bist du beim Ligaspiel Austria Wien gegen den Wolfsberger AC mit einem Gegenspieler bei einem Zweikampf zusammengeprallt. Das sah wirklich sehr dramatisch aus.
Ich kann mich nur noch daran erinnern, wie der Ball von oben kam und dann gingen die Lichter aus. Ich bin scheinbar noch aufgestanden und in die Kabine gewankt. Die Betreuer haben mir immer wieder Fragen gestellt, die ich zwar beantworten konnte, aber mein Zustand war so schlecht, dass ich sofort ins Krankenhaus gebracht wurde. Dort stellten die Ärzte fest, dass neben Kiefer und Jochbein auch der Schädel gebrochen war, aber zum Glück hatte ich keine Blutungen. Das hätte die Sache nochmal wesentlich komplizierter gemacht.

Dir ist bei diesem Zweikampf auch die Zunge in den Hals gerutscht. Das beherzte Eingreifen des Wolfsberger Spielers Luka Lochoshvili, der deine Zunge wieder zurück in den Mundraum zog, hat dir möglichweise sogar das Leben gerettet, wie Austria-Präsident Alexander Grünwald in einem Interview bei "Sky" berichtete.
Ja, das war durchaus eine dramatische Situation, die sich da ereignet hat und ich bin Luka für sein schnelles Eingreifen sehr dankbar.

Der Unfall hat sich vor zwei Monaten ereignet. Du bist ein positiver Mensch, aber was macht so ein Unfall mit einem?
Ich bin generell jemand, der viel reflektiert, aber dieses Erlebnis hat mich zusätzlich noch mehr geerdet. Ich befand mich nach dem Zusammenprall in einem diffusen Zustand, man schwebt in einem surrealen Raum und irgendwie hat mir dieser Zwischenfall die Angst vor dem Sterben genommen. Später habe ich gemerkt, wie cool und schön das Leben ist und ich bin dankbar, dass ich wieder gesund bin und auch am richtigen Fleck der Erde geboren wurde und dort lebe.

"Ich liebe das Leben, aber durch die Ereignisse in den letzten Wochen liebe ich es noch mehr."

Wie meinst du das?
Letztes Wochenende fand hier der „Vienna City-Marathon“ statt, die besten Läufer aus der ganzen Welt waren am Start. Ich war zufällig dort, als die führenden Läufer in einem hohen Tempo an mir vorbeigelaufen sind. Das war ein bewegender und ergreifender Moment für mich, weil mir da bewusst wurde, dass diese Jungs in armen Verhältnissen aufgewachsen sind und ihr Sport wohl der einzige Ausweg war, um ihrer Armut zu entliehen und dafür haben sie sehr, sehr viel investiert. Ich liebe das Leben, aber durch die Ereignisse in den letzten Wochen liebe ich es noch mehr.

Du bist ein passionierter Fotograf und deine Frau Karin ist Mode-Influencerin und hat bei Instagram unglaublich viele Follower. Du bist auch ein modeinteressierter Mensch, ist diese Kombination aus Mode und Fotografie etwas für deine berufliche Zukunft?
Meine Frau gehört zu den führenden Influencerinnen Österreichs und hat inzwischen über 300.000 Follower. Das ist schon eine Hausnummer und sie ist hier durchaus einzigartig in ihrer Art und Weise, wie sie das handhabt. Wir haben inzwischen eine Agentur mit derzeit sechs Angestellten gegründet und unser Ziel ist es, andere Influencer zu managen und zu vermarkten und auch Kunden mit einzubinden. Aber die soziale Komponente ist uns ebenso wichtig, gerade mit unserer Reichweite sind wir in der Lage mit Charity-Aktionen Geld für karitative Zwecke zu generieren. Es macht nicht nur Spaß, es ist auch ist eine unheimlich erfüllende Sache, wenn man helfen kann.

Ihr seid in Österreich ein prominentes Paar, wer wird in der Öffentlichkeit öfter erkannt, wenn ihr unterwegs seid?
Ganz sicher sie. (lacht) Ich glaube, es gibt wohl hier bei uns keine Frau, die bei Social Media unterwegs ist und sie nicht kennt.

Du spielst jetzt in der zweiten Saison bei Austria Wien. Mit dem Lokalrivalen Rapid seid ihr das beliebteste und erfolgreichste Teams in Österreich. Sportlich hat euch allerdings seit Jahren RB Salzburg abgehängt. Und wenn man in die Zukunft blickt, dann wird sich da wahrscheinlich nicht viel ändern. Salzburg hat in dieser Saison so viel Punkte wie Rapid und Austria zusammen. Schon krass, oder?
Die Liga wird leider immer langweiliger. Aber auch wenn man Red Bull deswegen verteufelt, leisten sie eine sehr professionelle und auch visionäre Arbeit. Man erlebt es im Fußball ja immer wieder, dass sogenannte Investoren Vereine übernehmen und dann verbrannte Erde hinterlassen, so wie es erst kürzlich beim KFC Uerdingen oder Türkgücü München der Fall war.

"Es war mal ganz schön, ohne Fußball am Wochenende, man hat mal Zeit für andere Dinge."

Von 2014 bis 2020 hast du für RB Leipzig, FCA und Eintracht Braunschweig gespielt. Wie würdest du diese Zeit heute bewerten?
Es war eine unglaublich gute Erfahrung für mich, ich habe in diesen sechs Jahren über 100 Spiele absolviert und in den größten Stadien gespielt. Ich bin auf das, was ich erreicht habe, durchaus stolz.

2016 bist du zusammen mit Martin Hinteregger nach Augsburg gewechselt, ein Jahr später folgte dann noch Michael Gregoritsch und das Ösi-Trio war perfekt. Hast du noch Kontakt zu deinen ehemaligen Mitspielern?
Ich glaube, dass ich die aktuelle Telefonnummer von Hinti gar nicht habe. Der verliert irgendwie ständig sein Handy. Aber mit Gregerl bin ich schon noch in Kontakt und wir schreiben uns immer wieder mal.

Du bist 31 Jahre alt und dein Vertrag bei Austria läuft noch mindestens ein Jahr. Wie lange willst du noch aktiv spielen?
Je nachdem, wie es Spaß macht. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber es war jetzt auch mal ganz schön, so ohne Fußball am Wochenende, man hat auch mal Zeit für andere Dinge. Aber inzwischen vermisse ich den Fußball schon wieder sehr und kann es gar nicht mehr erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich denke, dass ich schon noch ein paar Jährchen dabei bleibe. (ws)

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Stadionkurier