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Andreas Rettig in seiner Rolle als DFB-Geschäftsführer Sport

Was macht eigentlich Andreas Rettig?

"Die Pläne von Walther Seinsch haben mich extrem gereizt!"

Verein 03.02.2026, 09:07

Andreas Rettig kam 2006 als Geschäftsführer nach seinen Stationen Bayer Leverkusen, SC Freiburg und 1. FC Köln zum FC Augsburg. Mit ihm gelang den Rot-Grün-Weißen 2011 der Aufstieg in die Bundesliga. 2013 wechselte er als Geschäftsführer zur DFL und 2015 zum FC St. Pauli. Am 15. September 2023 wurde Rettig als Nachfolger von Oliver Bierhoff zum neuen DFB-Geschäftsführer Sport berufen. 

Hallo Andi, wo habe ich dich denn gerade erreicht? Wahrscheinlich mitten im Kölner Karnevalstrubel.
(lacht) Bist du neuerdings bei der Kripo? Ich bin tatsächlich auf dem Weg zu einer Veranstaltung der „Großen Braunsfelder“, einer traditionsreichen Kölner Karnevalsgesellschaft.

Du kannst dir wahrscheinlich denken, wieso ich gerade jetzt bei dir anrufe?
Nö, nicht wirklich. Kriegst du etwa noch Geld von mir?

Wenn, dann ein paar Bierchen. Ich kläre mal auf: Der FCA spielt gegen St. Pauli, zwei Klubs, bei denen du tätig warst. Es ist ja kein Geheimnis, dass der 1. FC Köln dein Herzensklub ist, aber mich würde schon interessieren, wem du heute die Daumen drückst. Und bitte keine Diplomaten-Antwort ...
In meiner DFB-Rolle ist das so eine Sache, auf Diplomatie zu verzichten. Das stimmt, der 1. FC Köln ist ein Verein, der mir sehr am Herzen liegt, mit ihm konnte ich zwei Bundesliga-Aufstiege feiern. Aber mal zur Klarstellung: Ich bin tatsächlich Fan von Rot-Weiss Essen. Und was das Spiel heute betrifft: Ich denke ein FC wird gewinnen.

Kannst du dich noch an die erste Kontaktaufnahme von Seiten des FCA damals erinnern?
Klar, der bis dato unbekannte FCA-Präsident Walther Seinsch rief bei mir an und fragte mich ganz unverblümt und direkt, ob ich mir vorstellen könnte, als Geschäftsführer vom Rhein an den Lech zu wechseln. Das war Anfang Januar 2006, der Zeitpunkt war allerdings ungünstig, denn einige Wochen nach meinem Rücktritt beim 1. FC Köln wollte ich erst mal eine Auszeit einlegen, um meine Akkus wieder aufzufüllen. 

Was hat dich dann doch dazu bewogen, gen Süden zu ziehen?
Der FC war damals Bundesligist, der FCA Tabellenführer in der Regionalliga, das hat mich schon auch erst einmal zögern lassen. Ich habe ihm gesagt, dass ich erst mal gar nichts machen will und vom Fußball Abstand brauche, aber wenn er nicht unter Zeitdruck ist, kann er es gerne zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen. Dann haben wir uns gegenseitig alles Gute gewünscht. Allerdings fiel mir schon nach drei Wochen die Decke auf den Kopf und ich habe zu meiner Frau gesagt, dass wir uns Augsburg zumindest mal ansehen sollten. Und so kam der Stein dann ins Rollen.

Köln gilt ja als heißes Pflaster. Da ist Augsburg eine echte Wellness-Oase dagegen. Wie waren denn deine ersten Wochen? Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern, da wurde ja doch einiges umgekrempelt.
Naja, die Augsburger Journaille als quasi Monopolist in der Region ist auch nicht ganz ohne. Ich kann mich noch gut an ganzseitige Artikel über den FCA mit der Überschrift „Problemmanager“ erinnern. Das habe ich mir mal aus Dokumentationsgründen aufgehoben. Die Story, die Walther Seinsch im Kopf hatte und die er mir eindringlich geschildert hat, sowie seine Pläne mit dem Stadionbau, das war schon beeindruckend und diese Herausforderung, einen Traditionsstandort in der Bundesliga etablieren zu wollen, hat mich extrem gereizt. Und die Dinge die Seinsch im Kopf hatte, sind ja dann tatsächlich eingetreten.

Was hast du dir eigentlich gedacht, als du zum ersten Mal die alte Geschäftsstelle in der Donauwörther Straße betreten hast?
Wenn ich ehrlich bin, dann war es ein Kulturschock. Nicht nur wegen des Bieres, Sebastian Priller möge es mir verzeihen. Es war zu Beginn eine echte Kärrnerarbeit, zusammen mit meinem damaligen Geschäftsstellenleiter Markus Krapf und Kollegen wie Michael Ströll, Felix Jäckle oder auch Dominik Schmitz, die alle schon relativ früh dabei waren. Das Wichtigste war, das Mindset zu ändern, denn ich hatte damals den Eindruck, dass sich der Augsburger gerne mal kleiner macht als er ist. Bei allem, was mit München in Verbindung gebracht wurde, erstarrte man in Ehrfurcht. Das Selbstwertgefühl zu verändern und das Gefühl zu vermitteln, dass der Augsburger auch wer ist, das war die vorrangigste Aufgabe.

Du warst insgesamt sechs Jahre (Juli 2006 bis Juli 2012) Manager in Augsburg. 2011 folgte dann der Traum, Aufstieg in die Bundesliga in einem dramatischen Spiel gegen den FSV Frankfurt mit dem Happy End kurz vor Schluss und dem 2:1 von Stephan Hain gegen den FSV Frankfurt. Du hast ja schon viel erlebt, war das eines deiner emotionalsten Highlights?
Das war in der Tat ein emotionaler Knaller nach Stephans Treffer, aber auch die beiden Aufstiege mit dem 1. FC Köln und dem SC Freiburg waren absolute Highlights.

Wenn du so zurückdenkst, was waren die Königstransfers in deiner Zeit?
Da waren schon einige sehr gute Spieler dabei, aber über allem thront da Trainer Jos Luhukay!

Heute bist du Geschäftsführer beim DFB. Schon lustig, dass aktuell zwei Schlüsselpositionen von ehemaligen FCA-Akteuren besetzt sind. Julian Nagelsmann war ja auch zu deiner Zeit beim FCA aktiv. 
Das ist in der Tat irre, Tuchel und Nagelsmann als Trainergespann in der Regionalliga Süd mit Spitzenspielen wie gegen den FC Pipinsried.

Was kickt dich mehr: Bundesliga-Klub oder Nationalmannschaft?
Ich glaube, dass am Wohl der deutschen Nationalmannschaft das ganze Land Anteil nimmt und ich denke, damit ist alles gesagt.

Wenn du heute an deine Zeit in Augsburg denkst, dann…
Mit Augsburg verbinde ich nahezu ausschließlich schöne Erinnerungen mit tollen Menschen. Mit einigen bin ich heute noch in Kontakt und im Austausch. Was der Stadt aber guttun würde, wäre etwas mehr von der rheinischen Mentalität bzw. Frohsinn. (ws)

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