FC Augsburg Logo FC Augsburg
20191209_Schnürer.jpg

Was macht eigentlich Joachim Schnürer?

“In mir fließt Rot-Grün-Weißes Blut”

Verein 09.12.2019, 16:00

Joachim “Jack” Schnürer hat mit den ganz großen Kalibern des FCA gekickt, wie etwa Helmut Haller, Bernd Schuster, Karl-Heinz Riedle oder Armin Veh. Der 59-jährige Inchenhofener ist dem FCA bis heute treu geblieben und bei jedem Heimspiel des FCA in der WWK ARENA zu finden.

Normalerweise rufe ich bei meinen Interviewpartnern an und frage sie, wo ich sie gerade erreicht habe. Das ist heute schlecht möglich, weil wir uns gegenübersitzen. Darf ich fragen, was du beruflich machst?
Ich bin seit 40 Jahren bei der Stadt Augsburg und dort als leitender Angestellter und stellvertretender Leiter im Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen tätig, einer Dienststelle mit 330 Mitarbeitern.

Kannst du dich noch erinnern, wie und wann du zum FC Augsburg gekommen bist?
Ja, natürlich: Das war 1976. Heiner Schuhmann hat bei mir angerufen und so entstand der Kontakt. Ich war damals noch bei meinem Heimatverein TSV Inchenhofen aktiv.

TSV Inchenhofen? Das ist aber doch ein großer Sprung zum FCA?
Ja, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, weil alle Spieler in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet werden. Es muss sich damals wohl herumgesprochen haben, dass ich jede Saison an die 40 Tore geschossen habe.

Der FCA war von 1978 bis 1984 eine echte Fahrstuhlmannschaft. Es ging ständig auf und ab zwischen der Bayernliga und der 2. Bundesliga.
Ja, das stimmt. Aber die Jahre in der 2. Bundesliga waren dennoch ein absolutes Highlight für mich. Wir haben oft vor 15.000 Zuschauern in der Rosenau gespielt. Klar, in der Bayernliga waren es schon wesentlich weniger, aber wenn es gegen 1860 ging, war immer etwas los – egal in welcher Liga.

Heiner Schuhmann war jemand, der mich stark geprägt hat.

Dein erstes Zweitligator?
Das werde ich natürlich nie vergessen. Das war in meiner ersten Profisaison beim Heimspiel gegen den Freiburger FC, da habe ich sogar im Doppelpack getroffen.

Gab es in all den Jahren Angebote von anderen Klubs?
Ja, die gab es unter anderem von 1860 München, dem 1. FC Nürnberg oder dem VfB Stuttgart. Aber ich war immer jemand, der sich selbst gut einschätzen konnte und ich wollte auch nicht zu weit von meinem Heimatort weg. Zudem hatte ich ein gutes Verhältnis zu Heiner Schuhmann. Er war jemand, der mich stark geprägt hat.

Du hattest das Privileg, mit zwei der größten Spieler, die der FCA hervorgebracht hat, zusammenzuspielen.
Du meinst Bernd Schuster und vor allem Helmut Haller?

Genau!
Helmut Haller hat sich damals mit fast 40 Jahren noch einmal zu einem Comeback überreden lassen. Das war mein Glück, für mich war es fantastisch, mit so einem Star in einem Team zu spielen. Helmut war ein außerordentlicher Spieler und Typ, eine Seele von Mensch mit viel Humor. Wir waren bis zu seinem Tod befreundet.

Mit Bernd Schuster hast du bei den A-Junioren gespielt. Konnte man damals schon absehen, dass er einmal ein Weltstar wird.
Bernd war damals unser Kapitän und ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Man konnte es damals schon erahnen, dass er es weit bringen wird. Mit ihm wurden wir Bayerischer Meister, bei der Deutschen Meisterschaft sind wir erst im Viertelfinale am MSV Duisburg gescheitert. Als der FCA in den Achtzigern gegen Bayer 04 Leverkusen gespielt hat, habe ich Bernd getroffen, von Starallüren war da nichts zu merken. Wir haben heute noch Kontakt.

„Mit Helmut Haller konnte man in kein italienisches Restaurant gehen, ohne dass der ganze Laden in Aufruhr war. Er war eben ein Superstar.“

Du hast für den FCA in der 2. Bundesliga und in der Bayernliga gespielt. Konntest du damals davon leben?
In meinem ersten Profijahr beim FCA habe ich noch mit Harald Greifenegger Abi gemacht, anschließend habe ich studiert. Da war die Kombi Fußball und Studium für mich perfekt und ich konnte ganz gut von dem Geld leben. Aber das ist wohl alles nicht vergleichbar mit dem, was Profis heute verdienen.

Und wie war damals der Profi-Alltag? Gab es Hotels vor dem Spieltag und solche Dinge?
Ich schaue immer wieder mal sporadisch beim Training der Profis zu. Es ist Wahnsinn, wie sich das alles verändert hat. Inzwischen sind bis zu zehn Trainer anwesend, es werden 160 Hütchen aufgestellt, alles ist bis ins feinste Detail strukturiert. Jeder Spieler bekommt eine optimale medizinische Betreuung und einen Ernährungsplan. Früher war man da schon eher auf sich alleine gestellt.

Wenn man heute als FCA-Profi durch die Stadt flaniert, wird man erkannt und ist vor Selfies mit den Fans nicht sicher. Wie war das damals?
Die Medienlandschaft war natürlich eine ganz andere, das kann man nicht vergleichen. Natürlich kannten einen die Leute, doch man konnte unbehelligt durch die Stadt ziehen und auch mal in eine Disco gehen. Aber wenn Helmut Haller dabei war, war alles ganz anders. Mit ihm konnte man in kein italienisches Restaurant gehen, ohne dass der ganze Laden in Aufruhr war. Helmut war eben ein Superstar.

Ich glaube, ich habe in den letzten acht Jahren vier Heimspiele verpasst.

Du bist dem FCA immer treu geblieben.
Absolut, in mir fließt Rot-Grün-Weißes Blut! Ich habe seit vielen Jahren eine Dauerkarte und gehe immer mit meinen Söhnen ins Stadion. Ich glaube, ich habe in den letzten acht Jahren vier Heimspiele verpasst. Einmal FCA, immer FCA!

Du warst noch bis 40 aktiv, zuerst beim TSV Aindling, dann bei dir zuhause beim TSV Inchenhofen. Später warst du auch noch Trainer unter anderem beim TSV Rain. Der Fußball lässt dich offenbar nicht los.
Das stimmt, aber ich bin auch jemand, der immer gewusst hat, wann Schluss ist. Man muss einfach im richtigen Moment loslassen können. Ich war viele Jahre Vorsitzender beim TSV Inchenhofen und maßgeblich am Bau unseres Sportparks beteiligt. Davon wird der Verein noch lange profitieren. 2014 habe ich in Inchenhofen Schluss gemacht.

Du kommst aus dem Aichach-Friedberger Raum, einer Region, die jahrelang vom FC Bayern und von 1860 dominiert wurde.
Das hat sich in den letzten Jahren doch sehr zu Gunsten des FCA verändert. Der Verein war fast ein Vierteljahrhundert weg von der großen Fußballbühne. Aber jetzt hat sich sehr viel getan, der FCA hat sich in der Bundesliga etabliert und die infrastrukturelle Entwicklung in den letzten Jahren ist geradezu gigantisch. Das trägt langsam, aber sicher Früchte.