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Was macht eigentlich Franz Bracher?

"Der Mann, der das allererste Tor für den FC Augsburg erzielte"

Verein 03.11.2026, 09:07

Franz Bracher hat 500 Spiele für den BCA und FCA absolviert. Noch dazu war er beim letzten BCA- und nach der Fusion 1969 ersten FCA-Spiel dabei. Was aber wohl nur die wenigsten wissen: er hat 1969 das allererste Tor für den FC Augsburg erzielt. 

Hallo Franz, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
Daheim in Steppach, ich war gerade am Computer gesessen und habe Sport-News gelesen.

Wie ich höre, bist du ein begeisterter Golfer. 
Begeistert ja, aber es ist ein herausforderndes Hobby. Bei mir wurden im Laufe der Zeit die Bälle immer kleiner, zuerst Fußball, dann Tennis und jetzt Golf (lacht). 

Was ist denn aktuell dein Handicap?
18, das ist gehobene Mittelklasse. Aber immer, wenn man denkt, man hat‘s jetzt drauf, fliegen die Bälle hin, wo sie wollen.

Wann ging es denn bei dir mit Fußball los?
1959, da war ich zehn Jahre alt. Zusammen mit Stefan Motzet, mit dem ich in derselben Schule war, sind wir zum Mohrenkopf in Oberhausen gegangen. Das war damals die BCA- und später FCA-Wirtschaft schlechthin und dort haben wir uns bei Paul Renz und Toni Niggl angemeldet.

Alles Legenden. Wieso ausgerechnet der BCA?
Ich hatte keine Wahl, mein Vater war ein fanatischer BCA‘ler und da war es komplett ausgeschlossen, dass ich zu den Schwaben gehe. Ich habe in den folgenden Jahren alle Schüler- und Jugendmannschaften durchlaufen und ab 1968 habe ich für die erste Mannschaft gespielt. In der Saison 1968/69 konnte ich als Mittelfeldspieler gleich zehn Tore erzielen. 

Und dann folgte 1969 die Fusion BC Augsburg und TSV Schwaben. Wie war das denn für euch eigentlich, als die „verfeindeten“ Teams zusammengelegt wurden?
Das klappte ganz gut, wir Spieler hatten untereinander keine großen Probleme miteinander. Es waren mehr die Fanlager, die sich nicht grün waren. Beim ersten Training waren wir ca. 40 Leute, unter anderem Heiner Schuhmann, Walter Sohnle, Georg Mögele, Stefan Motzet und Kurt Haseneder. Der damalige Trainer Herbert Erhard hat erst einmal ausgesiebt und anschließend mussten zwei Teams gegeneinander spielen. Daraus hat er dann die besten Spieler ausgesucht und zu einem Team geformt.  

Der Winni Fink hat mir letztens gesagt, dass du für den BCA und FCA unglaubliche 500 Spiele absolviert hast.
Das stimmt. Ich habe beim letzten BCA-Spiel in der Saison 1968/69 gespielt. Das war beim Relegationsspiel um den Aufstieg in die Regionalliga, da haben wir in Ingolstadt gegen die SpVgg Bayreuth 0:4 verloren. 

Und du warst auch beim allerersten Spiel des FCA am 30. Juli 1969 im Pokal gegen den 1. FC Nürnberg mit dabei.
Das ging leider auch verloren, es endete 0:3 für die Clubberer. Aber beim ersten Punktspiel auswärts gegen die SpVgg Weiden lief es gut, wir haben 3:0 gewonnen und ich habe mit dem 1:0 das allererste Tor in der Geschichte des FC Augsburg geschossen.

Wow, ich muss gestehen, dass ich das noch gar nicht wusste. Du bist also definitiv ein Mann für die FCA-Geschichtsbücher. Du warst Stammspieler bis zum Aufstieg 1973 in die Regionalliga Süd. Kannst du dich noch an das letzte Spiel gegen den TSV Herzogenaurach erinnern?
Sehr gut sogar, es war damals unglaublich spannend, es war ein Zweikampf zwischen dem ESV Ingolstadt und uns. Am vorletzten Spieltag kam es in Ingolstadt zum direkten Aufeinandertreffen. Wir gewannen 2:0, waren Tabellenführer und am letzten Spieltag kamen sage und schreibe 18.000 Zuschauer in die Rosenau. So eine Kulisse waren wir gar nicht gewohnt, aber wir haben das Spiel souverän 3:1 gewonnen und das bedeutete den Aufstieg in die Regionalliga Süd, das war damals die zweithöchste Spielklasse.

Wenn man sich das Teamfoto von damals anschaut, im Kader waren Willi Miller, Stefan Motzet, Georg Schnurrer, Claus Brandmair, Karl Obermeier, Karl Mögele und dein alter Kumpel Winni Fink. Tolle Truppe, oder?
Absolut, wir kannten uns teilweise alle schon lange und demensprechen gut war auch der Teamgeist. Mit Winni und einigen Freunden treffen wir uns heute noch regelmäßig jeden Mittwoch in einem Café.

Du warst im Kader, als Helmut Haller im Sommer 1973 nach Augsburg gewechselt ist. Wie war das für dich?
Ich kannte den Helmut ja und er war für uns alle ein Glücksfall, er war ein Weltklassespieler, zu dem wir aufgeschaut haben und zudem ein feiner Kerl. Ohne ihn wäre damals das Fußballmärchen nie Realität geworden. 

Wie wir wissen, wurde die Saison 1973/74 eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Du warst ein bisschen ein Leidtragender, denn der neue Trainer Milovan Beljin hat in erster Linie auf seine Neuzugänge gesetzt. Noch dazu war er jemand, der nur sehr ungern ausgewechselt hat.
Mit Vöhringer, Weixler, Höbusch, Haug und Jörg kamen viele gute neue Spieler zu uns, da mussten wir Augsburger uns erst einmal hintenanstellen. Mir hat Beljin eigentlich gar keine Chance gegeben und so kam ich nur auf eine Handvoll Einsätze in dieser Saison.

Wie ging es danach weiter?
Ich musste nach einer Schilddrüsenkrankheit aufhören und habe dann bei den FCA-Amateuren gespielt. Ich habe zwar nicht mittrainiert, aber trotzdem am Wochenende gespielt.

Die FCA-Amateure haben damals in der Landesliga gespielt und machten durch zwei DFB-Pokalspiele auf sich aufmerksam. 
Da war ich dabei! Das erste Spiel gewannen wir im September 1977 auswärts gegen Arminia Hannover 1:0 und einige Wochen später kam es in der dritten Runde zum Duell in der Rosenau gegen den Bundesligisten Hertha BSC. Die Berliner waren damals eine Spitzenmannschaft mit Spielern wie Uwe Kliemann, Karl-Heinz Förster, Hanne Weiner, Erich Beer oder Norbert Nigbur. Wir hatten keine Chance, das Spiel endete 0:4, aber es war für uns trotzdem eine tolle Sache.

Wie intensiv verfolgst du heute den FCA?
Ich bin FCA‘ler durch und durch und bin mit großem Interesse dabei. Ich hatte auch lange eine Dauerkarte, gehe aber weiterhin gerne in die WWK ARENA.

Der FCA liebt es in dieser Saison ziemlich turbulent und liefert den Zuschauern spektakuläre Spiele. Was traust du der Mannschaft in dieser Saison zu?
Das stimmt, da wird inzwischen echt einiges geboten. Mir persönlich wird zu viel über Platz acht oder so gesprochen. Als Erfolg würde ich es ansehen, wenn wir die Saison am Ende auf einem Platz zwischen zehn und zwölf abschließen würden. (ws)

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