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Was macht eigentlich Kees Kwakman?

"Es war toll, wieder in Augsburg zu sein!"

Verein 27.10.2026, 11:00

Kees Kwakman ist 2011 mit dem FC Augsburg in die Bundesliga aufgestiegen und kam in dieser Erfolgssaison auf insgesamt 22 Einsätze. In seiner Heimat arbeitet er seit vielen Jahren als TV-Experte für die holländische Eredivisie und war Teilnehmer der Fußball-Reality-Show „Football Island“, die im niederländischen TV eine hohe Einschaltquote erzielte.

Hallo Kees, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
Zuhause, ich bereite das Mittagessen für meine Kinder vor und als Tennis-Fan verfolge ich mit einem Auge ein Match im TV.

Du warst erst vor einigen Wochen in Augsburg.
Das ist richtig. Wir waren im Sommerurlaub mit der Familie in Österreich, dann drei Tage in München und haben noch einen Abstecher nach Augsburg gemacht. Ich habe Felix Jäckle in der Geschäftsstelle angerufen und er hat mich gleich zur Trikotvorstellungs-Party in die Ecke-Galerie eingeladen. An diesem Abend habe ich auch Michael Ströll getroffen, was mich sehr gefreut hat. Am Tag darauf haben wir das Stadion besichtigt und mein Sohn hat sich im Fanshop gleich ein Trikot gekauft.

Lass mich raten: Nummer 6 auf dem Rücken.
Ja, genau (lacht). War klar, dass er das Trikot von Jeffrey Gouweleeuw wollte. Es war toll, mal wieder in Augsburg zu sein, wir waren in der City und auch im Spenglergäßchen, wo Marcel de Jong und ich gewohnt haben.

Du bist im Sommer 2010 vom holländischen Erstligisten NAC Breda zum FCA gewechselt. Ich nehme mal an, da hatte Trainer Jos Luhukay seine Finger im Spiel.
Klar, er kannte mich und zu dieser Zeit waren ja auch mehrere holländische Spieler im Augsburger Kader. Ich habe Paul Verhaegh angerufen und habe mich über den Verein erkundigt. Es war für mich natürlich super, dass mit ihm, Gibril Sankoh und Marcel de Jong Landsleute im Team standen. Nachdem sich Lukas Sinkiewicz verletzt hatte, war der FCA auf der Suche nach einem neuen Defensiv-Spieler. Als ich nach Augsburg kam, hatte die Saison aber schon begonnen.

Du hattest also keine Vorbereitung mit dem FCA.
Ja, deswegen hatte ich auch kaum Zeit, mich groß zu akklimatisieren. Bei Breda hatte ich zwei sehr gute Saisons hinter mir, dort habe ich hauptsächlich im Mittelfeld gespielt. Luhukay hat mich aber gleich als Innenverteidiger eingesetzt und diese Umstellung war doch groß für mich und es hat etwas gedauert, bis ich angekommen bin. Dazu eine neue Sprache, neuer Verein, neue Wohnung, neue Mitspieler, neues Umfeld ...

Deinen ersten Einsatz hattest du am 3. Spieltag auswärts beim VfL Bochum.
Das stimmt, aber das Spiel zwei Wochen später in Duisburg werde ich nicht vergessen. Sankoh war verletzt und Möhrle gesperrt, mein Gegenspieler war der österreichische Nationalstürmer Stefan Mayerhofer, ein 2,05 Meter Hüne. Das waren unglaublich intensive 90 Minuten Mann gegen Mann und nach dem Spiel dachte ich mir nur, wo bin ich hier gelandet (lacht). Aber das war in meiner Karriere oft so, immer wenn jemand in der Innenverteidigung ausgefallen ist, musste ich ran, weil ich groß und kopfballstark war.

Die Saison ging relativ zäh los und nach dem 2:0-Auswärtssieg am 3. Spieltag folgten gegen Duisburg, 1860 München, Aue und Düsseldorf gleich vier Niederlagen hintereinander. Aber danach setzte der FCA den Blinker und war bis Saisonende auf der Überholspur.
Gibril Sankoh war verletzt und Uwe Möhrle gesperrt, d.h. die Abwehrkette wurde auseinandergerissen. Ich war ohne Vorbereitung, es war eine echt schwierige Phase für uns, aber nach einigen Wochen haben wir uns eingespielt und dann ging es steil nach oben. Das Resultat ist bekannt, wir sind in die Bundesliga aufgestiegen.

Wenn ich mir den Kader von damals mit Spielern wie Michael Thurk, Daniel Baier, Simon Jentzsch, Jonas de Roeck oder Ibrahima Traoré anschaue, das war schon eine sehr starke Truppe.
Die Mannschaft war super, da war wirklich Qualität da. Aber die größte Stärke war unser Teamgeist, wir haben uns alle sehr gut verstanden, auf und neben dem Platz und trotz mehrerer Holländer im Team gab es keine Grüppchenbildung. Wir haben uns damals u.a. mit Baier, Thurk und Verhaegh jeden Montag zum Essen und Kartenspielen in einem Irish Pub getroffen, das sagt viel aus.

Am Ende der Saison ist der FCA durch einen 2:1-Sieg im vorletzten Spiel gegen den FSV Frankfurt in die Bundesliga aufgestiegen. Wie hast du das entscheidende Tor von Stephan Hain kurz vor Ende noch in Erinnerung?
Es war ein sehr spannendes Spiel und als Stephan Hain kurz vor dem Ende nach einer Ecke den Ball über die Linie bugsierte, sind bei uns allen die Dämme gebrochen, es war ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich weiß noch wie wir Spieler „Nie mehr 2. Liga“ gesungen haben und jetzt spielt der FCA tatsächlich schon seit über 15 Jahren ununterbrochen in der Bundesliga. Das ist wirklich unglaublich.

Nach einem Jahr ging es für dich zurück nach Holland, wo du noch für den FC Groningen, NAC Breda und FC Volendam gespielt hast. Und 2013 hast du in Südafrika für den Bidvest Wits in Johannesburg gespielt.
Für meine Frau und mich war es ein Wunsch, nochmal ins Ausland zu gehen, bevor wir Kinder haben. Als das Angebot aus Südafrika kam, sind wir eine Woche nach Johannesburg geflogen und haben uns alles vor Ort angesehen. Uns hat es dort so gut gefallen, dass wir diesen Sprung gewagt haben und nachträglich muss ich sagen, dass das eine tolle Erfahrung war.

Du hast für alle deine Vereine getroffen, nur nicht für den FCA.
(lacht) Das hast du also herausbekommen. Das beweist, dass ich in Augsburg zu sehr mit Defensivaufgaben beschäftigt war.

Du bist auch heute noch ein bekannter Mann in deiner Heimat. Du bist Fußball-Experte im holländischen TV. Macht sicher ziemlich Spaß, oder?
Ich bin jemand, der gerne redet (lacht). Ich habe schon in meiner aktiven Zeit begonnen, Spiele zu analysieren und habe deswegen auch früh den Trainerschein gemacht. Ich habe 2018, noch während meiner aktiven Zeit, das Angebot bekommen, als TV-Experte bei Fox Sports zu arbeiten, u. a. mit Erik Meijer. Heute arbeite ich für ESPN und es macht unglaublich viel Spaß. Man ist Woche für Woche ganz nah dran.

Du hast auch in einer Fußball-Reality-Show mitgemacht, u.a. mit Ex-Nationalspielern wie Wesley Snijder, den de Boer-Brüdern oder Ryan Babel.
„Football Island“ ist eine Survival- und Challenge-Show. Da tauschten elf ehemalige Fußballstars ihr Luxusleben gegen ein Back-to-Basics-Abenteuer in der Dominikanischen Republik ein und traten in fußballinspirierten mentalen und physischen Challenges gegeneinander an. Ich bin bis ins Finale gekommen, musste mich dort aber gegen Frank de Boer geschlagen geben. Die Einschaltquoten lagen bei ca. 1 Mio. Zuschauern, was für Holland sehr hoch ist.

Wie sehr verfolgst du heute den FC Augsburg? Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern?
Ich schaue jede Woche, wie Augsburg gespielt hat und bin gut informiert, aber mein Vater ist da noch fanatischer, er hat große Sympathien für den FCA. Kontakt habe ich immer wieder zu Marcel de Jong, Paul Verhaegh, Dani Baier und Michael Thurk.

Was traust du dem FCA in dieser Saison zu?
Nach dem neunten Platz in der letzten Saison und dem guten Start jetzt habe ich etwas die Befürchtung, dass die Erwartungshaltung bei den Fans vielleicht zu hoch sein könnte. Aber der FCA ist kein kleiner Bundesliga-Klub mehr und braucht Ambitionen. Wenn wieder Platz neun rausspringt, dann wäre das definitiv ein Erfolg. (ws)

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