Was macht eigentlich Raimond Aumann?
"Ich bin gebürtiger Augsburger und dazu stehe ich auch"
Raimond Aumann zählt zu den erfolgreichsten Fußballern, die aus Augsburg hervorgegangen sind. 1976 wechselte er vom Stadtwerke SV zum FC Augsburg, ehe er 1980 als A-Junior zum FC Bayern München kam. 1990 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister. Mit dem FC Bayern gewann er sechs deutsche Meisterschaften und zweimal den DFB-Pokal, mit Besiktas Istanbul wurde er Champion in der Türkei.
Hallo Raimond, wo habe ich dich denn gerade erreicht? Auf dem Oktoberfest?
Nein, da war ich traditionell am ersten Wiesn-Sonntag mit der Legenden-Mannschaft des FC Bayern. Ich habe gerade mein Auto durchgesaugt, ich muss morgen nach Ingolstadt, weil wir da unsere neuen Fahrzeuge bekommen.
Wenn man bei Google „Raimond Aumann“ sucht, dann landet man natürlich auf der Website des FC Bayern. Und da steht: Raimond Aumann, Legende.
Wir haben ja sehr viele Legenden, der FC Bayern ist da schon führend in Deutschland. Aber natürlich macht das einen etwas stolz, denn dieser Status bleibt einem. Ich habe mich 2023 mit knapp 60 Jahren freiwillig entschieden, meinen Posten als Fanbeauftrager aufzugeben, um noch einmal etwas Neues zu machen. Seitdem bin ich offizieller Vereinsbotschafter des FC Bayern und unter anderem für die Legends-Mannschaft zuständig.
Nach deiner aktiven Zeit als Profi warst du 27 Jahre lang Fanbeauftragter beim FCB.
Als ich 1996 angefangen habe, steckte diese Abteilung noch in den Kinderschuhen, und ich habe mit einer kleinen Crew alles aus dem Nichts aufgebaut. 2013 wurde ich dann Direktor dieser Abteilung. Ich habe immer versucht, für den FC Bayern und mich das Bestmöglichste zu machen, und so konnte ich auch mit einem guten Gewissen den Staffelstab weitergeben.
Der FC Bayern ist heute mit über 435.000 Mitgliedern der größte Klub der Welt. Das ist schon ein Job, der einen fordert, oder?
Ich war über ein Vierteljahrhundert in verantwortlicher Position in diesem Bereich und ich muss schon sagen, dass dieser Job intensiv war und vor allem auch zeitintensiv. Ich war immer bei allen Heim- und Auswärtsspielen, egal ob Bundesliga, Pokal oder Champions League. Deswegen ist in mir irgendwann der Entschluss gereift, dass ich mit 59+1 nochmal etwas anderes machen will.
Du bist jetzt unglaubliche 46 Jahre beim FC Bayern. Als du mit 17 nach München gewechselt bist, hättest du wohl auch nicht gedacht, dass das mal eine Lebensaufgabe wird.
Ganz sicher nicht. Es macht mich heute rückblickend unglaublich stolz, denn ich habe alle Facetten in diesem Klub erlebt. Ich bin als kleiner Steppke vom FC Augsburg zum FC Bayern gegangen und war live dabei, wie die Allianz Arena entstand, wie sich die Säbener Straße entwickelt hat, ich war Kapitän dieses Klubs und habe keine Sekunde bereut, dass ich diesen Schritt gegangen bin.
Wie kam eigentlich der Kontakt nach München zustande?
Wir haben einmal gegen den FC Bayern im Grünwalder Stadion gespielt und Uli Hoeneß war anwesend. Er hat sich dann Tage später ins Auto gesetzt und ist zu meinen Eltern nach Augsburg gefahren und hat sie überzeugt, dass ein Wechsel für mich das Beste wäre. Ich habe damals eine Ausbildung als Sportartikelverkäufer bei Sport Wagner am Rathausplatz absolviert und Feierabend war um 16.00 Uhr. Anschließend bin ich mit dem Zug nach München zum Training gefahren. Ich war meist erst gegen 23.00 Uhr oder später zu Hause und stand am nächsten Tag wieder um 8.00 Uhr auf der Matte. Das ging zwei Jahre so und nach meinem Abschluss habe ich dann 1982 einen Profivertrag bekommen.
Deine Vita liest sich beeindruckend: Weltmeister, sechs deutsche Meisterschaften, zwei DFB-Pokalsiege mit dem FCB, einmal Champion in der Türkei mit Besiktas Istanbul. Und deutscher Vizemeister mit den B-Junioren des FCA 1979. Kannst du dich noch an dieses Spiel erinnern?
(Lacht) Ja, aber nur noch vage. Das war gegen Blau-Weiß 90 Berlin im Preußenstadion und nach 90 Minuten stand es 1:1. Doch leider haben wir dann im Elfmeterschießen verloren. Unser Trainer war damals Günter Hausmann.
Im Team standen damals auch Roland Grahammer und Christian Hochstätter.
Ja, zwei Jungs, die auch eine tolle Karriere hingelegt haben, Roland war sechs Jahre mein Teamkollege bei Bayern. Von uns dreien existiert auch ein sehr schönes Bild im FCA-Trikot. Es war eine tolle Zeit damals beim FCA, ich bin gebürtiger Augsburger und dazu stehe ich auch.
Was war das Highlight deiner Karriere?
Das war definitiv die Weltmeisterschaft 1990. Man sieht es gerade heute, wie schwer es ist, diesen Titel zu erringen. Ich habe zwar nicht gespielt, aber allein ein Teil dieses Teams gewesen zu sein und alles hautnah miterleben zu können, war schon fantastisch. Die 1990er-Truppe trifft sich heute noch regelmäßig und das sagt schon alles über den Teamgeist aus.
Du hast in deiner Laufbahn mit vielen Größen gespielt und hattest sehr prominente Trainer. Wer hat dich am meisten beeindruckt?
Ganz klar Jupp Heynckes. Er war der Trainer, der am meisten an mich geglaubt hat, er hat damals auch entschieden, dass ich Jean-Marie Pfaff beerben soll. Und eines Tages wurde ich sogar Kapitän, viel mehr geht nicht. Herausragende Spieler gibt es natürlich viele, aber am beeindruckendsten war für mich schon Lothar Matthäus mit seiner Dynamik und Schusstechnik.
1994 wurdest du vom „kicker“ als bester deutscher Torhüter ausgezeichnet.
Das war auch eine meiner besten Saisons und zugleich die letzte, bevor ich zu Christoph Daum zu Besiktas Istanbul gewechselt bin. Das ist eine schöne Auszeichnung, die man gerne mitnimmt.
Du hast 268 Spiele für den FCB absolviert. Kannst du dich noch an deinen ersten Einsatz erinnern?
So etwas vergisst man nicht. Das war am 25. August 1984 beim 3:1-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld.
Am 5. Spieltag gastiert der FC Bayern in der WWK ARENA. Sind die Spiele gegen den FCA etwas Besonderes für dich?
Ich habe ja nie als Profi gegen den FCA gespielt. Wie gesagt, ich bin Augsburger und die Spiele gegen den FCA sind immer schöne Derbys. Gerade diese Partien sind alles andere als Selbstläufer, nicht umsonst konnte der FCA uns schon fünfmal besiegen. Sagen wir so, lieber verlieren wir gegen Augsburg als gegen jemand anderen. (lacht)
Nach dem Arbeitssieg in Elversberg scheint der Rekordmeister wieder voll auf Kurs zu sein, wie das 7:0 gegen Union Berlin gezeigt hat.
Wir können alle sehr zufrieden sein, wie es derzeit läuft. Unser Umfeld ist sehr stabil, der Klub ist unglaublich gefestigt und wir haben mit Vincent Kompany einen sensationellen Trainer und Sympathieträger und dazu einen unglaublich tollen Kader. Momentan macht es unglaublich Spaß, der Mannschaft zuzuschauen.
Wie intensiv verfolgst du das Geschehen in deiner Geburtsstadt?
Natürlich dreht sich mein Interesse fast ausschließlich um den FC Bayern, aber klar, ich schaue schon gerne nach Augsburg und es freut mich sehr, wie sich der Klub entwickelt hat.
Was traust du den Mannen von Manuel Baum in dieser Saison zu?
Prognosen im Fußball sind immer schwierig, denn eine Saison ist sehr lang und mit vielen Hindernissen verbunden. Letztendlich könnte ich mir vorstellen, dass sie die Saison zwischen Platz neun und zwölf beenden. (ws)