Was macht eigentlich Franz Bleicher?
"Die Liebe zum FCA war in unserer Familie schon immer da!"
In der Familie Bleicher dreht sich alles um den FCA! Opa Franz Xaver ist seit BCA-Zeiten ein glühender Fan, sein Sohn Franz Xaver wurde 1991 mit den A-Junioren des FCA Deutscher Pokalsieger und Franz Xaver der III. hat eben einen Profivertrag bei den Rot-Grün-Weißen bis 2030 unterschrieben. Walter Sianos unterhielt sich mit Franz Xaver, dem Zweiten!
Hallo Franz, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
Unterwegs. Ich bin Geschäftsführer einer IT-Firma, aber da ich wusste, dass du dich gleich meldest, habe ich mir die Zeit so eingeteilt, dass wir unser Interview führen können.
Vor drei Wochen habe ich Dieter Frey interviewt, der jetzt der neue Leiter des NLZ beim 1. FC Nürnberg ist. Er hat mir erzählt, dass ihr zusammen in München eine WG hattet. Du als Blauer, er als Roter, gab's da nie Zoff?
Nein, nie (lacht). Mit Dieter verbindet mich eine echte Freundschaft, wir kennen uns seit den B-Junioren beim FCA und haben uns auf Anhieb super verstanden. Er hat ja während seiner Zeit in Augsburg im Allgäu gewohnt und da kam es immer wieder vor, dass er bei uns übernachtet hat. 1992 hat es uns dann beide nach München verschlagen, er ist zum FC Bayern gewechselt und ich zu 1860. Da lag es nahe, dass wir zusammenziehen, und so haben wir ganz pragmatisch eine WG gegründet.
Wann hattest du zuletzt mit ihm Kontakt?
Erst vor ein paar Tagen, wir sind auch heute noch regelmäßig in Kontakt. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die auch heute noch Bestand hat.
Mal ganz von vorne. Wo hast du mit dem Kicken begonnen?
Direkt beim FCA! Ich war acht Jahre alt, mich hat der Heiner Schuhmann auf eine etwas kuriose Weise entdeckt.
Kurios?
Das war bei einer Geburtstagsparty, wo er auch anwesend war. Wir haben im Garten gekickt und ich bin ihm aufgefallen, weil ich so voller Energie war. Er hat mich direkt zu einem Training eingeladen. Ich bin hin und bin dann sozusagen auch geblieben (lacht).
Du hast also alle Jugendteams bis zu den A-Junioren durchlaufen. Wenn ich mit ehemaligen Jugendspielern des FCA ins Gespräch komme, dann kommen die immer ins Schwärmen.
Das war auch eine ganz tolle und spezielle Zeit. Ich denke, dass Heranwachsenden oder Außenstehenden das gar nicht bewusst ist, was das für eine prägende Zeit ist, speziell in einem leistungsorientierten Fußballverein. Man bekommt Werte wie Disziplin, Arbeitsmoral, Freundschaft, Zusammenhalt oder Zugehörigkeit vermittelt. Wir waren auf Turnieren in Europa unterwegs, da bin ich heute noch dankbar dafür, ohne den FCA wäre mein Leben ganz anders verlaufen.
1991 wurdest du mit dem A-Junioren des FC Augsburg Deutscher Pokalsieger. Teamkollegen waren u. a. wie vorhin angesprochen Dieter Frey, aber auch Thomas Tuchel.
Wir waren eine richtig geile Truppe mit unterschiedlichen Charakteren, aber trotz aller Disziplin und Einsatz hatten wir immer viel Spaß zusammen. Der Dieter mag nach außen hin seriös rüberkommen, aber der weiß schon auch, wie man feiert (lacht). Mit Thomas Tuchel bin ich damals sehr gut ausgekommen, auch als er bei den Stuttgarter Kickers und ich bei 1860 gespielt habe. Ich bin 2000 in die USA und da haben wir uns mehr oder weniger aus den Augen verloren.

Das Pokal-Endspiel fand gegen den 1. FC Köln in der Domstadt statt. Nach 16 Minuten stand es bereits 0:2 für die Rheinländer, aber dann hast du mal kurz aufgedreht …
Das weiß ich noch wie gestern, kurz vor der Halbzeit habe ich den Ball an den Kopf bekommen und drin war er. Ich hatte definitiv einen Torinstinkt, aber Kopfball war meine Schwäche. Dieter Frey hat dann das 2:2 erzielt und kurz vor Schluss gelang mir der vielumjubelte Siegtreffer zum 3:2. Das war mit Sicherheit eines meiner besten Spiele überhaupt, der 1. FC Köln hat mir auch daraufhin ein Angebot gemacht, aber mein Vater, ein fanatischer BCA- und FCA-Fan, hat es mir verboten. Erst Abi, dann Fußball.
Nach den A-Junioren ging es in der Bayernliga für dich weiter.
Armin Veh hat mich 1992 in die 1. Mannschaft geholt und ein Jahr später kam dann ein Angebot von 1860 München und ich bin an die Grünwalder Straße gewechselt. Allerdings lief es dort für mich sehr unglücklich, beim vorletzten Testspiel gegen Hannover 96 ist mir ein Gegenspieler in die Beine gegrätscht und dabei habe ich mir einen doppelten Bänderriss zugezogen. Noch dazu gab es bei der OP Komplikationen, ich war über ein halbes Jahr verletzt und von dieser Verletzung habe ich mich letztendlich nie wieder richtig erholt.
Und damit war der Traum vom Profi für dich früh beendet.
Auf dieser Ebene ja. Danach habe ich noch beim SC Ismaning und bei der DJK Lechhausen gespielt, aber das war mehr aus Spaß am Sport.
Der FCA lebt in eurer Familie immer noch weiter, dein Sohn Franz Xaver ist in deine Fußstapfen getreten. Er spielt ebenfalls von Kindesbeinen an für den FCA und derzeit mit seinen 18 Jahren für die U23. Der FCA ist schon ein Anker in eurer Familie …
Absolut, wie gesagt, mein Vater ist schon zum BCA gegangen, später hat er mich als Kind immer mit in die Rosenau mitgenommen, ich war Balljunge, Kalle Riedle war damals mein Lieblingsspieler. Die Liebe zum FCA war schon immer bei uns da.
Dein Sohn hat erst einen Profivertrag bis 2030 beim FCA unterschrieben. Da ist man als Vater sicher stolz, oder?
Natürlich bin ich glücklich, es ist der erste Schritt in den Erwachsenenfußball. Jetzt muss er natürlich noch schauen, dass er es eines Tages schafft, einmal in der Arena zu spielen. Das wäre ein Traum.
Was hat er, was du nicht hattest?
Ich war schnell und habe viele Tore erzielt, aber war nicht konstant in meinen Leistungen. Der Franzi ist wesentlich fokussierter, ehrgeiziger, disziplinierter und geerdeter als ich es je war. Und ich bin immer wieder überrascht, was die Jungs heute für ein taktisches Verständnis haben.
Bist du immer bei den Spielen dabei?
Ja, immer wenn es mein Terminplan zulässt, auch wenn es weite Fahrten wie nach Dortmund oder Schalke sind. Auch der Opa ist immer dabei, der ist sowieso der Fanatischste von uns allen. Bei uns sind drei Generationen vertreten und in unserer Familie gibt es insgesamt sieben Franz Xaver.
Der FCA ist in der Rückrunde wieder voll in die Spur gekommen. Wie bewertest du die aktuelle Situation?
Es ist beeindruckend, wie es Manuel Baum gelungen ist, den Schalter da umzulegen. Man hat es gegen Teams wie den FC Bayern oder jetzt auch gegen Leipzig gesehen, was in der Mannschaft für eine Qualität steckt. Oberste Priorität ist für mich immer noch der Klassenerhalt, aber ich traue dem Team auch einen einstelligen Tabellenplatz zu. (ws)