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Was macht eigentlich Lukas Kling?

Was macht eigentlich Lukas Kling?

"Thomas Tuchel war fast ein Genie"

Verein 03.11.2020, 10:18

Vor knapp zwei Wochen sorgte Lukas Kling im Trikot der Stuttgarter Kickers mit einem Eigentor für eine der Fairplay-Aktionen des Jahres. Im Stadionkurier spricht der ehemalige FCA-Nachwuchsspieler über sein kurioses Eigentor, seine Zeit in der FCA-Jugend und sein großes Ziel.

Hallo Lukas, wo habe ich dich gerade erreicht?
In der Mannschaftskabine bei den Stuttgarter Kickers. Wir hatten eben Training.

Du kannst dir sicher denken, weshalb ich anrufe. Das Medienecho auf dein Eigentor war gewaltig und ich kann mir vorstellen, dass du in dieser Woche einige Interviewanfragen hattest.
Ja, das stimmt, da war schon wesentlich mehr los als sonst. Und natürlich kamen viele WhatsApp-Nachrichten rein, auch mein Postfach bei Facebook und Instagram war deutlich voller als sonst.

War auch die eine oder andere Spitze dabei, nach dem Motto: ”Na, auch mal wieder getroffen?”
(lacht) Genauso ist es. Natürlich haben mich ein paar Kumpels damit aufgezogen und mir geraten, den Ball beim nächsten Mal einfach wieder ins gegnerische Tor zu schießen. Aber das ist okay für mich, ich musste selbst darüber lachen.

Im Spitzenspiel gegen den FC Nöttingen hat euer Trainer Ramon Gehrmann kurz vor der Pause angewiesen, den Ball ins eigene Tor zu schießen. Zuvor hatte es bei eurem 2:0 einige Proteste gegeben. Kannst du diese kuriose Situation aus deiner Perspektive schildern?
Ehrlich gesagt habe ich die Szene zuvor nicht richtig mitbekommen und ganz eindeutig war sie auch nicht. Wir schießen ein Tor und jubeln. Ich war dann ganz überrascht, dass sich einige Nöttinger Spieler deswegen aufgeregt haben. Der Schiedsrichter war nach einigen Diskussionen der Meinung, dass der Ball nach einem Zusammenprall absichtlich von unserem Gegner ins Aus gespielt wurde. Aus dem Einwurf für uns resultierte das 2:0. Daraufhin hat mich unser Trainer quasi damit beauftragt, ein Eigentor zu schießen.

Angeblich waren aber nicht alle deine Mitspieler mit dieser Entscheidung einverstanden, denn so stand es in diesem Spitzenspiel gegen Nöttingen plötzlich nur noch 2:1.
Ja, das klingt zwar unsportlich, so ist es aber nicht gewesen. Die Situation, die zum Einwurf geführt hatte, war nicht wirklich eindeutig zu erkennen. Selbst einige Nöttinger Spieler haben nach der Partie zugegeben, dass sie selbst überrascht waren.

Aber es gab ein Happy End. Ihr habt 4:1 gewonnen und darüber hinaus noch unglaublich viel Aufmerksamkeit in ganz Deutschland bekommen.
Ja, das stimmt, das alles hat ziemlich hohe Wellen in der Medienlandschaft geschlagen und es war sicher eine positive Werbung für unseren Klub.

Du spielst schon in der dritten Saison für die Stuttgarter Kickers. Ein echter Traditionsverein, der aber in der fünften Liga spielt. Im Moment steht ihr auf dem zweiten Platz, die Regionalliga ist also in Sichtweite.
Wir haben ein unglaublich treues und fanatisches Publikum. Die Fans tragen den Verein und ich hoffe, dass wir möglichst schnell aufsteigen können. Es ist ungefähr ein Viertel der Saison gespielt und wir werden alles daran setzen, dass unser großes Ziel schon bald Realität wird. Eigentlich gehören die Kickers allein schon wegen ihrer Tradition in den Profifußball.

„Mein großes Ziel ist es, Trainer zu werden. Darauf arbeite ich jetzt schon hin.“

Du kommst aus der Gegend von Lauingen und hast schon in jungen Jahren beim FCA angeheuert.
Ich habe bei der U13 angefangen und bis zur U23 in Augsburg gespielt. Meist konnte ich einen Jahrgang überspringen und bereits mit 17 hatte ich meinen ersten Einsatz in der U23.

Da hast du Thomas Tuchel als Trainer erlebt. Wie war er?
Genau, er war ein Jahr mein Coach bei der U19 und der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Er war ein toller Trainer, der viel Wert auf Disziplin gelegt hat. Er war taktisch unglaublich, ich würde fast sagen ein Genie. Ich habe bei ihm jedenfalls wirklich sehr viel gelernt.

Für den damaligen Profi-Trainer Rainer Hörgl warst du immer das größte Talent und er wollte dich unbedingt beim FCA halten. Du bist aber zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Warum?
Der Club war damals frischgebackener deutscher Pokalsieger, hat in der Bundesliga gespielt und das Gesamtpaket war einfach besser, dass muss man so sagen.

Dein Bruder Fabian hat auch für die FCA-Jugend gespielt und später lange in den USA gekickt. Wäre das noch mal eine Option für dich?
Mit Fabian habe ich damals zusammen für die U19 beim FCA gespielt. Auch ich hatte ein Angebot aus Amerika und hätte mir das durchaus vorstellen können. Nur konnte ich von den Statuten her nicht wechseln, weil ich einen Lizenzspielervertrag in Nürnberg hatte.

Du bist im Besitz der A-Lizenz und trainierst schon Nachwuchs-Teams bei den Stuttgarter Kickers. Da ist der Weg wohl vorgezeichnet, oder?
Das kann man so sagen. Mein großes Ziel ist es, Trainer zu werden und darauf arbeite ich jetzt schon hin. Die A-Lizenz habe ich schon und werde mich auch in diese Richtung weiterbilden. Gerne auch bei den Stuttgarter Kickers im NLZ, denn wir haben eine super Nachwuchsarbeit und mir macht es großen Spaß, mitzuarbeiten.

Du bist 30 Jahre alt, wie lange willst du noch aktiv spielen?
Ich fühle mich super und will noch einige Jahre anhängen. Mein Minimalziel ist zumindest noch der Aufstieg mit den Kickers in die Regionalliga.

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Stadionkurier