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2015: Als der FCA näher zusammenrückte

111 Jahre 24.11.2018, 12:41
Ultras leben und lieben ihren Verein. Sie sind bei jedem Heim- und Auswärtsspiel dabei und unterstützen die Mannschaft in allen Situationen. Es gibt aber Momente in denen rücken Fans und Ultras nicht wegen der einen Liebe zum Fußball zusammen, sondern weil sie einander Halt geben wollen, so wie die Fans des FCA im Jahr 2015.
111 Jahre, 111 Geschichten - wir lassen für Sie 111 Tage lang die Geschichte des FC Augsburg Revue passieren. Mit interessanten Anekdoten aus der über einhundertjährigen Historie des FC Augsburg.
Am 6. Spieltag der Fußball-Bundesliga in der Saison 2015/16 stand für alle Vereine eine englische Woche auf dem Plan. Der FC Augsburg trat die Reise nach Gladbach in den Borussia-Park an. Nach 45 Minuten sah es für den FCA schlecht aus und man ging mit einem 0:4-Rückstand in die Kabine. Am Ende stand es 4:2 für Borussia Mönchengladbach und die Augsburger traten enttäuscht die Heimreise an. Während Mannschaft und Fans bereits auf dem Weg zurück nach Augsburg waren ereignete sich auf der Autobahn ein schrecklicher Unfall. Gegen zwei Uhr nachts war ein mit fünf FCA-Fans besetzter Wagen auf der A61 unterwegs. Das Auto fuhr auf einen LKW auf. Für zwei der Insassen, Daniel und Max, kam jede Hilfe zu spät und sie starben noch am Unfallort. Die anderen Insassen, Milan und Yannick, wurden teils schwer verletzt und einer von ihnen, Simon, schwebte in Lebensgefahr.

Kämpfen und Siegen!

Wenige Tage nach dem Unfall stand das nächste Spiel des FCA bevor. Bereits vor der Partie nahmen Freunde und Fans der Verstorbenen Abschied. Über 600 Menschen kamen zum Trauermarsch und legten am Stadion Kränze nieder. Die FCA-Nordwand war zu Beginn des Spiels in schwarz gehüllt. Doch die Ultras verabschiedeten sich nicht leise von ihren Freunden, sondern singend. Zwei Bengalos wurden zu Ehren von Daniel und Max gezündet, Schals und Genesungswünsche auf weißen Zetteln wurden über die Köpfe gehalten und die Fans sangen zusammen. Selbst als die TSG Hoffenheim an diesem Tag mit einem Sieg vom Platz ging, hörten die FCA-Fans nicht auf zu singen. Während es bei Milan und Yannick gesundheitlich langsam wieder Bergauf ging, schwebte Simon weiterhin in Lebensgefahr. In Ludwigshafen lag der 18-jährige im Koma und bekam von seiner Mutter die Genesungswünsche aus dem Stadion vorgespielt. Die Hilfsbereitschaft aus der Fanszene und dem Verein schenkten ihm und seiner Mutter viel Kraft und Unterstützung. Freunde aus Königsbrunn traten die lange Reise an, um ihn zu besuchen. Der FCA übernahm die Hotelkosten und half der Familie bei der Verlegung nach Murnau. Von da an verbesserte sich sein Zustand langsam.

Simons Schicksal verbindet

Im September 2016 bewies Simon, dass er ein Kämpfer ist. Knapp ein Jahr nach dem schlimmen Unfall, konnte er wieder in seine zweite Heimat zurückkehren und den FCA live im Stadion verfolgen. In einem Spezialrollstuhl wurde der Königsbrunner in seinen Block gefahren und schaute das Spiel von da aus. An diesem Tag verloren die Fuggerstädter zwar 1:3 gegen Mainz, aber Simon feierte seine Rückkehr und die Nordkurve feierte ihn. Die Mainzer Fans hielten solidarisch ein Banner mit „Kämpfen und Siegen, Simon“ hoch. Der FCA und die Fans geben ihm Rückhalt und in der Reha macht er Fortschritte. Auch wenn er in einer betreuten Siebener-Wohngruppe lebt, kämpft er weiter. „Er hat jetzt die ersten Sprossen auf einer Leiter überwunden, bei der niemand weiß, wo sie enden wird“, erzählte seine Mutter Marion. Das Schicksal von Simon hat nicht nur die Ultras, seine Familie und den Verein näher zusammen gebracht, sondern auch die Fans anderer Klubs.
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