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Was macht eigentlich Sebastian Langkamp?

“Augsburg war der perfekte Schritt, um mich zu entwickeln”

Verein 18.05.2021, 10:27

Von 2011 bis 2013 spielte Sebastian Langkamp zwei Jahre für den FCA. Im Stadionkurier spricht der 33-Jährige über seine Zeit in Augsburg, einen Alltag ohne Corona und sein neues Leben in Australien.

Hallo Basti, wo habe ich dich gerade erreicht?
Zuhause, meine Frau und ich haben eben unser Kind gebadet. Bei uns ist es gerade 18.00 Uhr, wir sind euch zeitlich also um sechs Stunden voraus.

Dein WhatsApp-Profilbild ist cool. Eine Surfer-Silhouette im Sonnenuntergang. Bist du das?
Ja, das Foto ist allerdings nicht in Australien, sondern letzten Sommer auf Sylt entstanden.

Wenn du gerne auf dem Surfboard stehst, dann bist du jetzt im Paradies gelandet. Wie weit ist der nächste Strand von dir entfernt?
Gerade mal zehn Minuten. Aber so ganz wohl ist mir nicht dabei, denn ich will nicht unbedingt einem weißen Hai in den Rachen schauen. Die Aussies sind da relativ entspannt, aber es gibt Strandabschnitte, wo Hai-Netze aufgespannt sind, so ungefährlich kann es also nicht sein.

"Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wieder so leben zu können."

Bei euch ist gerade Herbst. Wie ist derzeit die Temperatur in Perth?
Angenehm, es hat so um die 25 Grad. Generell ist es bei uns im Südwesten bei Weitem nicht so heiß wie beispielsweise im Outback, aber im Hochsommer klettern die Temperaturen schon mal auf 38 Grad.

Wie ist die Corona-Situation bei euch?
Die ist bei Null!

Null? Nicht zu glauben…
Jeder, der nach Australien einreist, muss erst einmal in ein sogenanntes Quarantäne-Hotel. Dort ist es gerade zu einem positiven Fall gekommen. Der örtliche Gouverneur ist sehr resolut, wenn es um Corona geht und so wurde vorübergehend wieder eine Maskenpflicht eingeführt. Aber das ist so etwas wie eine Vorsichtsmaßnahme.

Und das Leben läuft tatsächlich wieder weitgehend in normalen Bahnen ab?
Absolut, in den letzten Monaten haben wir wie vor Corona gelebt, also ohne Masken, alle Läden und Gastronomiebetriebe sind geöffnet. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wieder so leben zu können. Wir sind seit Anfang Februar in Perth und nach unserer Quarantäne-Phase mussten wir uns auch erst an unsere neue Freiheit gewöhnen. Anfangs hatten wir noch diesen Reflex, erst einmal zur Seite zu springen, wenn uns jemand zu nahe kam. Es dauert schon eine Weile, bis man das mal völlig ausgeblendet hat.

Wie kam es überhaupt zu diesem Tapetenwechsel nach Perth?
Nach meiner letzten Station bei Werder Bremen war es mein Wunsch, ins Ausland zu gehen, nachdem ich zuvor ausschließlich in Deutschland gespielt hatte. Die USA und Australien waren zwei Optionen, die mir gefielen. Mein ehemaliger Hertha-Kollege Mathew Leckie, der ja Australier ist, hat mir seine Heimat schmackhaft gemacht und durch seinen Berater wurden Kontakte geknüpft, bis ich letztendlich eine Einigung mit Perth Glory erzielen konnte.

In der Region Perth, im Westen des Landes, leben zwei Millionen Menschen, drum herum ist es eher dünn besiedelt.
Das stimmt, aber die Gegend erstreckt sich über ein großes Gebiet und bietet wirklich alles, was man zum Leben braucht. Die Leute sind freundlich und bisher gefällt es uns sehr gut hier.

Wie kann man die A-League, die erste australische Liga, sportlich einstufen?
Die großen Klubs wie Melbourne Victory oder Sydney FC würden sicher eine gute Rolle in der 2. Bundesliga spielen. Die Liga ist gut organisiert, aber hier agiert man gerne mit einer südländischen Gelassenheit. Und gerade die Südwest-Australier bezeichnet man gerne als “lazy”. (lacht)

„Ich finde es bewundernswert, dass der FCA sich schon so viele Jahre in der Bundesliga behauptet.“

Australien ist riesig, da stelle ich mir die Reisen zu den Auswärtsspielen recht stressig vor.
Das ist allerdings eine echte Herausforderung. Zu den Spielen an die Ostküste fliegt man schon mal bis zu fünf Stunden und dazu kommt noch die Zeitumstellung. In der A-League spielt auch Wellington Phoenix aus Neuseeland. Die müssen allerdings leider diese Saison ihre Heimspiele in der Nähe von Sydney austragen. Schade, denn ich wäre auch gerne mal auf der Nachbarinsel gewesen.

Spielen auch noch andere Deutsche in Australien?
Alexander Baumjohann, mit dem ich noch bei Hertha gespielt habe, ist bei Sydney FC und Nicolai Müller bei den Sydney Wanderers unter Vertrag. Ansonsten spielen hier viele Legionäre aus Europa oder Südamerika, was die Liga auch aufwertet.

Wie lange läuft dein Vertrag noch?
Ein Jahr plus ein weiteres als Option. Mal sehen, was daraus noch wird.

Kommen wir auf deine Augsburger Zeit zu sprechen. Wir hatten 2011 ein skurriles Interview in der Nähe der Fuggerei. Kannst du dich noch daran erinnern?
Und ob. Wir sind nach dem Fotoshooting in einer dubiosen italienischen Bar mit finsteren Gestalten gelandet. Da roch es verdächtig nach Mafia und man kam sich vor wie bei den Sopranos. (lacht)

Allerdings! Aber die Herren haben dich zum Glück schnell erkannt und danach wollten sie uns nicht mehr gehen lassen.
Wir mussten ja mit denen dann auch noch Karten zocken. Jedenfalls war es ein sehr ungewöhnliches und lustiges Interview.

2011 bist du vom Karlsruher SC zum frischgebackenen Erstligisten FC Augsburg gewechselt. Wie hast du die zwei Augsburger Jahre in Erinnerung?
Man hat damals schon eine Euphorie und die Vorfreude der Augsburger auf die Bundesliga gespürt. Ich bin als junger Spieler zum FCA gewechselt und hatte mit Jos Luhukay einen echten Förderer zum Trainer. Für mich war Augsburg damals der perfekte Schritt, um mich zu entwickeln und Bundesliga-Erfahrung zu sammeln. Ich erinnere mich sehr gerne an meine Zeit in Augsburg, ich habe direkt im Zentrum gewohnt und fand die Stadt toll.

Der FCA ist als krasser Außenseiter in seine erste Bundesliga-Saison gestartet und wurde als Abstiegskandidat Nummer Eins gehandelt.
Genau das macht den Klub in meinen Augen so besonders. Wir hatten sicher nicht den besten Kader, aber wir haben sehr viel mit Kampf und Leidenschaft kompensiert. Ich finde es bewundernswert, dass der FCA sich schon so viele Jahre in der Bundesliga behauptet.

Wie sehr hast du die Bundesliga noch im Blickfeld?
Ich interessiere mich schon dafür, aber die Spiele werden hier nicht live übertragen, man kann nur Zusammenschnitte sehen. Aber nach so vielen Jahren Bundesliga ist es auch mal gut, wenn man etwas Abstand bekommt. (ws)

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Stadionkurier