Was macht eigentlich Karl-Heinz Stempfle?
"Ich habe Max Merkel sehr viel zu verdanken!"
Karl-Heinz „Heino“ Stempfle hat in der Jugend beim BC Augsburg gespielt und kickte nach der Fusion beim FCA zuerst bei den A-Junioren, in der 2. Mannschaft und dann ab 1976 bei den Profis in der 2. Bundesliga. 1979 wechselte er zum Ligakonkurrenten SpVgg Fürth, wo er drei weitere erfolgreiche Jahre spielte.
Hallo Heino, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
In meinem Garten in Stadtbergen, dort verbringe ich gerade jetzt im Sommer natürlich sehr viel Zeit.
Was mich jetzt brennend interessiert, hast du noch den Spitznamen Heino?
(lacht) Ja, der klebt immer noch an mir. Den habe ich, seit ich zehn Jahre alt bin. Mein ehemaliger Jugend-Trainer des TSV Täfertingen hat mir den verpasst, weil ihm Karl-Heinz zu lang war. „Ab jetzt bist du der Heino“ und der Name ist mir bis heute geblieben.
Der ist jetzt aber nicht dein Lieblingssänger, oder?
(lacht) Nein, das hat mit dem deutschen Schlagersänger gar nichts zu tun und ich bin jetzt auch kein Fan von ihm.
Du bist mit zehn Jahren zum BC Augsburg gewechselt.
Das stimmt. Ich habe dort bis zur B-Jugend gespielt, dann kam die Fusion. Ab den A-Junioren spielte ich beim neu gegründeten FCA. Anfangs war es schon schwierig, weil die besten Spieler vom TSV Schwaben und dem BCA zu einem Team formiert wurden. Da war die Qualität schon richtig gut. Im Team waren u.a. Spieler wie Manfred Tripbacher, Reinhard Kindermann oder Erich Steer, und da musste man schon ordentlich Gas geben, um in die Startelf zu kommen. Aber das hat sich schnell eingependelt und wir waren in unserer Liga quasi konkurrenzlos.
Gab es da zu Beginn eine Rivalität zwischen euch Spielern vom BCA und Schwaben?
Seltsamerweise nicht, obwohl die Konkurrenz zwischen den beiden Klubs schon enorm war. Aber wir Spieler wussten, dass wir nur Erfolg haben würden, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Und den hatten wir. Wie gesagt, wir haben damals so ziemlich alle Spiele gewonnen und wurden erst beim Spiel um die Schwäbische Meisterschaft gefordert.
Nach den A-Junioren bist du erst zur 2. Mannschaft und 1976 zu den Profis in die 2. Bundesliga aufgestiegen.
Genau so war es. Damals hat die 2. Mannschaft noch in der A-Klasse gespielt, dann sind wir zwei Mal hintereinander bis in die Landesliga aufgestiegen, das war damals die vierthöchste Spielklasse. Höhepunkte waren 1977 die Spiele im DFB-Pokal auswärts gegen Arminia Hannover (1:0 gewonnen) und gegen Hertha BSC in der Rosenau (0:4 verloren).
Und dann kam im November 1976 Max Merkel zum FC Augsburg und da hat sich auch einiges für dich geändert. Beim ersten Training war ja einiges los in der Donauwörther Straße.
Das kann man wohl sagen, an diesem Tag waren mindestens über 1.000 Schaulustige im Training. Es war schon eine echte Sensation, dass so ein prominenter Trainer zu uns in die 2. Bundesliga gekommen ist. Er hatte davor Atlético Madrid, 1860 München und Schalke 04 trainiert.
Von Merkel stammt das Zitat: „Spieler vertragen kein Lob. Sie müssen täglich die Peitsche im Nacken fühlen.“ Wie war er als Trainer?
Er war ein echter Alleinunterhalter, der für den FCA eine Nummer zu groß war. Ich kann mich bei ihm nur bedanken, er hat mich von der 2. Mannschaft in den Profikader befördert. Ich bin ein paar Tage vor dem Spiel gegen 1860 München zum Training und er meinte ganz trocken: „Stempfle, du hast angefangen wie ein Weltmeister und aufgehört wie ein Hausmeister“. Ich war ganz baff, denn trotz der Kritik hat er mich ein paar Tage später gegen 1860 aufgestellt und mein Gegenspieler war Jimmy Hartwig. Wir haben zwar 1:3 verloren, aber ich konnte das zwischenzeitliche 1:1 erzielen, das Spiel wurde damals sogar im dritten Programm live übertragen.
Aber es lief gut für den FCA. In den ersten 13 Spielen gab es acht Siege, vier unentschieden und eine Niederlage.
Und auch für mich lief es super. Er rief mich mal nach einem Training zu sich und wollte wissen, von was ich lebe. Zu dieser Zeit war ich bei der Bundeswehr. Da meinte er ganz lapidar zu mir: „Du gehst jetzt rauf zu Manfred Amerell (war damals Geschäftsführer beim FCA) ins Büro, richtest ihm einen schönen Gruß von mir aus und sagst ihm, dass er dir ab sofort monatlich 1.500 DM überweisen soll.“ Ich war natürlich überglücklich, denn das war damals für einen jungen Spieler eine schöne Stange Geld.
Nach der Saison war Schluss mit MM.
Wie ich vorhin schon sagte, er war ein Entertainer, der sich selbst immer ins Scheinwerferlicht gestellt hat. Er hat auch öffentlich mit seinem Gehalt kokettiert. „Ich bekomme hier 20.000 DM im Monat, das kriegt nicht mal einer in der Bundesliga“. So war er halt, wenn der irgendwo reingekommen ist, dann hat er mit seinen Sprüchen den ganzen Saal unterhalten.
Du hast ja noch mit Spielern aus der Meistermannschaft 1973/74 gespielt wie Helmut Haller, Hans Jörg, Wolfgang Haug, Klaus Vöhringer oder Horst Höbusch.
Das war für mich natürlich eine großartige Sache, denn wir waren natürlich alle Fans von diesem Team. Merkel war fachlich gut, aber die meiste Zeit hat er aus dem Kabuff in der Donauwörther Straße herausgeschaut und die Arbeit hat sein damalige Co-Trainer Wenzel Halama gemacht. Zu uns jungen Spielern war er ganz ok, die Arrivierten hatte er aber oft auf dem Kicker, mir hat es auch nicht gefallen, wie er beispielsweise mit Hans Jörg umgegangen ist, denn er war nicht nur ein großartiger Spieler, sondern auch ein feiner Mensch. Nach Merkel folgte Werner Olk, der ja lange Spielführer beim FC Bayern war, er war ebenfalls ein wunderbarer Typ.
Später waren deine Kollegen FCA-Größen wie Veh, Tripbacher, Kindermann oder internationale Spieler wie Benno Larsen und Zoltán Varga.
Da waren wirklich einige sehr gute Kicker dabei, allen voran der ehemalige ungarische Nationalspieler Varga. Das war schon großartig, was der mit dem Ball anstellen konnte.
1979 folgte der Abstieg in die Drittklassigkeit und du bist zum Zweitligakonkurrenten SpVgg Fürth gewechselt. Das war für dich auch eine erfolgreiche Zeit, denn auch bei den Franken warst du gesetzt.
Nach dem Abstieg hatte ich wirklich Angebote von fast allen Zweitligaklubs. Aber ich wollte im Süden bleiben und habe mich für Fürth entschieden. Das waren drei tolle Jahre und ich habe im Prinzip immer gespielt.
1982 bist du dann nach Augsburg zurückgekehrt und hast für die Schwaben, TSV Eching, TSV Königsbrunn und DJK Lechhausen gespielt.
Mich hat dann irgendwie das Heimweh gepackt und ich wollte wieder nach Augsburg, auch um mir beruflich ein Standbein zu schaffen. Ich habe dann meine aktive Zeit bei Lechhausen ausklingen lassen und wurde Trainer.
Und das sehr lange u.a. für TSV Schwaben, DJK Lechhausen, TSV Landsberg und den SC Bubesheim.
Mir hat das immer unheimlich viel Spaß gemacht an der Seitenlinie, aber irgendwann kommt man in ein Alter, in dem man wissen sollte, wann man aufhören muss. Aber ganz ohne Fußball geht es natürlich nicht, ich gehe auch heute noch gern ins Stadion.
Wie intensiv verfolgst du heute den FCA?
Sehr intensiv, ich bin immer wieder in der WWK ARENA. Der FCA ist mein Herzensklub, da gibt es keine Frage, und ich freue mich, was sich in Augsburg in den letzten 20 Jahren so getan hat.
Was traust du dem FCA in dieser Saison zu?
Ich freue mich sehr, dass es Manuel Baum geschafft hat, das Ruder herumzureißen. Er passt hervorragend nach Augsburg und ich wünsche ihm in der kommenden Saison alles erdenklich Gute. Wenn alle Zahnräder ineinandergreifen und wir von Verletzungen verschont bleiben, ist ein Platz neun absolut drin. (ws)