Was macht eigentlich Sascha Mölders?
"Ich habe immer mein Herz auf dem Platz gelassen"
Sascha Mölders hat von 2011 bis 2016 für den FC Augsburg gespielt und in 103 Bundesliga-Partien 18 Tore erzielt. Den spektakulärsten Treffer erzielte er am 5. April 2014 beim Spiel gegen den FC Bayern München zum 1:0-Endstand.
Hallo Sascha, wo habe ich dich denn gerade erreicht?
Zuhause, ich komme gerade vom Einkaufen. Jetzt gibt‘s Mittagessen und am Abend gehe ich ins Training vom SV Mering II.
Du kickst also immer noch in der Kreisklasse Augsburg Süd?
Genau, mir macht das immer noch unheimlich Spaß und solange ich da noch einigermaßen mithalten kann, werde ich das auch weiterhin durchziehen.
Du hattest vor Kurzem ein Trainer-Comeback im Rosenaustadion. Du hast für das Testspiel gegen den FC Augsburg eine Schwaben-Auswahl gecoacht. Wie kam es dazu?
Felix Jäckle vom FC Augsburg hat mich angerufen und mir von dieser Idee erzählt. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Team zu coachen. Da musste ich keine zwei Sekunden überlegen, ich fand die Idee super und für die Jungs von der Schwaben-Auswahl war das ein großartiges Erlebnis.
Nach was für Kriterien wurde das Team ausgewählt?
Der Großteil der Spieler, von der Landesliga bis zur Regionalliga, wurde vom Bayerischen Fußball-Verband nominiert. Fünf weitere Kicker kamen über ein Online-Voting der Augsburger Allgemeinen ins Team.
Hattet ihr die Möglichkeit, euch vor dem Spiel zu treffen?
Ja, wir hatten die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Training auf der Paul-Renz-Anlage. Beim anschließenden Meeting habe ich versucht, das Team bestmöglich auf das Spiel einzustellen. Die Stimmung war super und alle waren bis in die Haarspitzen motiviert. Letztlich hat sich der FCA verdient 5:0 durchgesetzt, und es war wirklich eine tolle Veranstaltung. Dem FCA muss ich dafür ein großes Kompliment machen: Nach dem Spiel kam Michael Ströll in unsere Kabine und hat jedem Spieler ein FCA-Trikot mit seinem eigenen Namen überreicht. Das war eine überragende Aktion für die Jungs und für alle ein unvergesslicher Tag. So etwas ist alles andere als selbstverständlich.

Du bist 2011 vom FSV Frankfurt zum FC Augsburg gewechselt, da hat der Klub schon in der neuen Arena gespielt. Hattest du jemals selber ein Pflichtspiel in der Rosenau?
Nein, erst mit der FCA-U23. Wenn ich so zurückblicke, dann habe ich insgesamt dreimal gegen den FCA gespielt.
Insgesamt hast du 103 Bundesliga-Spiele absolviert, elf davon für den MSV Duisburg und 92 für den FCA. Kannst du dich noch an deinen ersten Bundesliga-Treffer erinnern?
Ja klar, es war gleich in meinem ersten Spiel für den FCA gegen den SC Freiburg. Für mich selber war das ein Top-Einstand: Das Spiel endete 2:2, ich konnte beide Tore erzielen und somit noch ein Unentschieden retten.
Ich habe immer noch die Situation im Kopf, als du am 5. April 2014 in der WWK ARENA das historische Siegtor gegen den FC Bayern München erzielt hast. Mir wurde schwarz vor Augen vor lauter Torjubel. Was ging in diesem Moment in dir vor, als der Ball im Netz zappelte?
Es war so unglaublich laut in der Arena, wir Spieler haben das natürlich voll mitbekommen. Man macht ja nicht alle Tage ein Tor gegen Bayern und dann auch noch der Siegtreffer. Das Publikum hat uns an diesem Tag getragen und letztendlich konnten wir das 1:0 bis zum Schluss halten. Nach dem Schlusspfiff haben wir gejubelt, als wären wie Deutscher Meister geworden. Der FCB war bis dato in 53 Spielen ungeschlagen, Bundesliga-Rekord!
2016 bist du zu 1860 nach Giesing gewechselt. Normalerweise geht ein Wechsel von Augsburg nach München nicht ganz so geräuschlos über die Bühne. Bei dir hat es trotz der großen Rivalität zwischen den Fans geklappt.
Die FCA-Fans haben honoriert, dass ich immer mein Herz auf dem Platz gelassen habe. Klar waren anfangs einige deshalb irritiert, aber letztlich glaube ich, dass mir keiner wirklich sauer war. Mich hat deswegen jedenfalls nie jemand angemacht.
Als die „Wampe von Giesing“ hast du Kult-Status erreicht: 212 Spiele und 86 Tore sprechen eine deutliche Sprache. Nach etlichen Turbulenzen ist der Verein jetzt in der Regionalliga gelandet. Ein Wahnsinn eigentlich, oder?
Absolut, vor allem weil das jetzt innerhalb von neun Jahren schon zum zweiten Mal passiert. Die Fans haben das mitgetragen, und wir sind damals auch direkt aufgestiegen. Ich bin gespannt, wohin der Weg von Sechzig führt. Egal, ob sie in Buchbach oder Eichstätt spielen: Für jeden Gegner ist es das Spiel des Jahres.
1860 steht vor einem kompletten Neuanfang. Ich habe ehrlich gesagt immer darauf gewartet, dass du als neuer Trainer dort verpflichtet wirst. War das überhaupt ein Thema?
Es gab nie einen Kontakt, aber wer mich kennt, weiß, dass ich für sehr vieles offen bin. Das wäre eine coole Geschichte für mich gewesen und wenn es zu Gesprächen gekommen wäre, hätte ich definitiv Bereitschaft signalisiert.
Du warst in den letzten zwei Jahren Trainer beim SC Wiedenbrück in Westfalen. Das ist ein gutes Stück „away from home“. Kann so eine Distanz auf Dauer gutgehen, wenn man Woche für Woche über 1.200 Kilometer zurücklegen muss. Ist das nicht purer Stress?
Ich wollte immer in die Regionalliga West und ich bereue keine Sekunde, mir hat der Job dort sehr viel Spaß gemacht. Stress war es eher für meine Frau Ivonne und die Kinder, weil die fast jedes Wochenende hochgefahren sind.
Was hast du für die nahe Zukunft für Ziele?
Mein Vertrag in Wiedenbrück läuft noch bis 2027. Es war jetzt auch mal schön, so lange zuhause zu sein und wieder die Akkus aufzuladen. Aber jetzt bin ich wieder voll da und bereit für neue Herausforderungen.
Wenn du dir einen Verein schnitzen dürftest?
Ich war als Spieler ein Arbeiter, deswegen wäre mein Traumszenario auch ein Arbeiterklub, idealerweise mit Tradition und treuen Fans.
Die neue Bundesliga-Saison steht in den Startlöchern. Der FCA startet seine 16. Spielzeit in der Beletage. Was erwartest du für eine Saison und wo landet der FCA?
Der FCA spielt jetzt seit 2011 ununterbrochen in der Bundesliga, das ist einfach Wahnsinn. Ab dem Tag, als Manuel Baum übernahm, hat man eine stetige Entwicklung gesehen, das hat der Manu wirklich super gemacht. Am Ende haben sie ja sogar noch an den Europapokalplätzen gekratzt. Ich traue ihnen das in den nächsten Jahren wieder zu. In der neuen Saison werden sie auf einem sicheren Mittelplatz landen, wenn alle Zahnräder greifen, sogar mit Blick nach oben.
Wer wird Meister?
Ich muss und werde immer Borussia Dortmund sagen. Und das mache ich, bis das mal tatsächlich eintritt (lacht). (ws)