Ausstellung über jüdischen Sport in Augsburg und Schwaben
Aufgestellt und ausgegrenzt
Ab dem 11. September beleuchtet eine Ausstellung im Maximilianmuseum Augsburg die Lebenswege jüdischer Sportlerinnen und Sportler aus Bayerisch-Schwaben. Entwickelt wurde die Ausstellung „Aufgestellt und ausgegrenzt. Jüdisches Sportleben in Augsburg und Schwaben“ von Studierenden der Universität Augsburg, dem Jüdischen Museum Augsburg Schwaben und dem FC Augsburg.
Sportvereine sind weit mehr als Orte für Wettkampf und Bewegung: Sie fördern Zusammenhalt, Teamgeist sowie Werte wie Respekt und Fairness. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren Vereine wichtige Orte gesellschaftlicher Begegnung. Jüdinnen und Juden waren selbstverständlich Teil des Vereins- und Sportlebens in Augsburg und Schwaben. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 endete diese Teilhabe jedoch. Jüdische Sportlerinnen und Sportler wurden aus ihren Vereinen ausgeschlossen. Einige von ihnen fanden Zuflucht in einem einzigartigen Verein: der Privaten Tennisgesellschaft Augsburg.
„Noch Jahrzehnte später berichteten diejenigen, die ins Ausland fliehen konnten, von der ganz besonderen Gemeinschaft, die sie dort erlebten. Während Jüdinnen und Juden in allen gesellschaftlichen Bereichen in der Stadt ausgeschlossen wurden, bot die Private Tennisgesellschaft Augsburg ihnen noch einen letzten geschützten Raum. Der Sport und die Gemeinschaft dort ließen sie ein Stück Normalität bewahren in Zeiten der immer bedrohlicheren Verfolgung“, sagt Museumsdirektorin Dr. Carmen Reichert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb in vielen Vereinen die Aufarbeitung der NS-Zeit und des Ausschlusses von Jüdinnen und Juden zunächst aus. Die Ausstellung zeigt am Beispiel des FC Augsburg, wie sich Sportvereine heutzutage mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen. Dabei wird deutlich, dass Erinnerungskultur und Engagement gegen Antisemitismus und Diskriminierung heute ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit sind.
„Zusammenhalt, Verantwortung, Vielfalt und Respekt sind zentrale Werte des FC Augsburg. Deshalb setzen wir uns heute bewusst mit der Geschichte jüdischer Sportlerinnen und Sportler in Augsburg auseinander und erinnern daran, wohin Ausgrenzung und Antisemitismus führen können. Als FCA wollen wir Haltung zeigen – auf und neben dem Platz. Mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie ‚Brücken bauen. Menschen bewegen. Umwelt schützen.‘ wollen wir diesen Anspruch mit Leben füllen und unseren Beitrag für eine offene und vielfältige Gesellschaft leisten“, sagt Felix Jäckle, Mitglied der Geschäftsleitung des FC Augsburg.
Die Ausstellung entstand im Rahmen eines Kooperationsprojekts des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben mit dem FC Augsburg und Studierenden der Universität Augsburg. Diese recherchierten in einem Praxisseminar Biografien von jüdischen Sportlerinnen und Sportlern und ihren Vereinen. Sie erarbeiteten Inhalte zu unterschiedlichen Themenbereichen und wirkten an der Konzeption der Ausstellung mit. Die Seminarleitung lag bei Dr. Carmen Reichert, Dr. Malin Drees und Nathalie Jäger M.A. vom Jüdischen Museum Augsburg Schwaben. Beteiligt waren die Studierenden Lea Hatebur, Annika Kempter, Sebastian Lechner, Amelie Sigl und Angela Starkmann. Mitarbeiter des FC Augsburg begleiteten und unterstützten das Seminar, indem sie den Zugang zum Vereinsarchiv ermöglichten, aktiv einen Teilbereich der Ausstellung mitgestalteten sowie das vielfältige begleitende Rahmenprogramm zur aktiven Einbeziehung der FCA-Familie organisieren.
Gefördert wird die Ausstellung durch den „Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur“ (PFiFF) des Bundesliga e.V. und den Verein der Freunde und Förderer des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben e.V.
Wanderausstellung startet im Maximilianmuseum
Die erste Station der Wanderausstellung ist in Kooperation mit den Kunstsammlungen & Museen Augsburg das Maximilianmuseum Augsburg. Im dortigen Viermetzhof wird sie vom 11. September bis 15. November bei freiem Eintritt zu sehen sein. Kostenlose öffentliche Führungen finden am 20. September, 13. Oktober und 15. November jeweils um 16.00 Uhr statt. Für die Teilnahme an den öffentlichen Führungen ist eine Anmeldung über das Jüdische Museum Augsburg Schwaben erforderlich. Weitere Veranstaltungsformate und Ausstellungsorte sind in Planung. Aktuelle Informationen rund um die Ausstellung finden sich auch unter www.fcaugsburg.de/erinnern und www.kmaugsburg.de/aufgestellt-und-ausgegrenzt.
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- Erinnerungsarbeit