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De Jong: “Der FCA wird immer in meinem Herzen bleiben”

Was macht eigentlich...?

Verein 01.06.2020, 12:11

2011 stieg Marcel de Jong mit dem FCA in die Bundesliga auf, heute spielt der 33-jährige Linksfuß in der kanadischen Premier League für den Pacific FC. Im Stadionkurier spricht der Niederländer über seine Zeit in Augsburg, die Liga in Kanada – und Bären auf Vancouver Island.

Guten Morgen Marcel, bei euch ist es gerade 9 Uhr morgens. Wo habe ich dich gerade erreicht?
Ich bin zuhause, habe eben gefrühstückt und bin bereit für den Tag.

Bereit für...?
Training und dann Familie! Corona hat auch bei uns in Kanada die Liga lahmgelegt. Wir bekommen täglich individuelle Trainingspläne von unserem Fitnesscoach. In Kürze starten wir mit dem Mannschaftstraining.

Euer letztes Pflichtspiel mit dem Pacific FC war Ende Oktober 2019, das ist fast ein halbes Jahr her.
Ja, leider. Hier startet die Saison immer im Frühling und eigentlich hätte es Mitte April wieder losgehen sollen.

Der Pacific FC ist in Langford beheimatet, einer Stadt im Südwesten von Kanada mit 35.000 Einwohnern.
Genauer gesagt auf Vancouver Island in British Columbia, aber die Insel ist größer als ganz Holland. Vancouver ist ganz in der Nähe und auch in die USA ist es nicht weit.

Klingt alles schön beschaulich.
Das ist es auch. Ich lebe am Meer, es gibt viele Seen in der Gegend, Wälder und Berge. Natur pur also.

Und Bären?
(lacht) Ja, die gibt es hier auch, aber mir ist Gott sei Dank noch keiner begegnet.

Wie ist die Corona-Lage bei euch?
Bei uns gibt es nur wenig COVID-19-Fälle. British Columbia steht gut da mit nur 2.000 bestätigten Fällen, während in Quebec mit knapp 50.000 und Ontario mit 25.000 eine ganz andere Situation herrscht.

Du hast zwei Staatsbürgerschaften, neben der niederländischen auch die kanadische.
Meine Eltern sind beide Niederländer und vor vielen Jahren für einige Zeit nach Kanada übergesiedelt. Ich bin dort geboren, aber als ich drei Jahre alt war, sind wir wieder zurück nach Holland.

"Danach brachen alle Dämme, es war ein unbeschreibliches Gefühl."

Und dort hast du bei den Junioren vom PSV Eindhoven gespielt.
Ja, ich habe insgesamt acht Jahre bei PSV gespielt und dort alle Jugendteams durchschritten. Mit den B-Junioren sind wir damals auch holländischer Meister geworden. Die PSV-Akademie zählt zu den besten in Holland. Mit 18 Jahren bin ich zu Helmond Sport in die zweite Liga gewechselt, zwei Jahre später dann in die Eredivisie zu Roda JC Kerkrade, wo ich 115 Spiele gemacht habe.

2010 bist du von der Eredivisie in die 2. Bundesliga zum FC Augsburg gewechselt. Warum?
Ein Ziel von mir war es, in Deutschland zu spielen. Und dort am liebsten in der Bundesliga. Der FCA war ein aufstrebender Klub und der damalige Trainer Jos Luhukay hat mir seinen Plan präsentiert, der mich überzeugt hat.

Damals segelte der FCA fast schon unter niederländischer Flagge. Neben Jos Luhukay waren Rob Reekers, Paul Verhaegh und Gibril Sankoh im Kader.
Ja und später dann noch Kees Kwakman, Lorenzo Davids und Jonas de Roeck. Obwohl, der war ja Belgier, also nur ein halber Holländer. (lacht) Ich empfand das als großen Vorteil und das hat mir den Einstieg auch erleichtert. Aber nach einem Jahr konnte ich mich schon sehr gut auf Deutsch verständigen.

Dein Zweitliga-Abenteuer war nur von kurzer Dauer.
Unser Ziel war der Aufstieg und das war alles Andere als einfach. Aber wir hatten eine geile Truppe und haben es letztendlich geschafft. Dieses Jahr werde ich nie vergessen.

Stichwort 8. Mai 2011...
Das Spiel gegen den FSV Frankfurt und der Aufstieg! Dieses Datum werde ich wohl nie mehr in meinem Leben vergessen. 85. Minute, Ecke Michael Thurk und Stephan Hain schiebt den Ball irgendwie über die Linie zum 2:1-Siegtreffer. Danach brachen alle Dämme, es war ein unbeschreibliches Gefühl.

Es war ein historischer Moment für den FCA, für Augsburg und für die gesamte Region.
Diese Woche haben wir alle wie in Trance erlebt! Erst die Party nach dem Spiel, später dann mit Tausenden von Fans auf dem Rathausplatz. Ich glaube, das ging eine ganze Woche so weiter, es war sensationell.

"Augsburg war meine schönste Zeit, ich habe dort geheiratet."

Nach weiteren vier Jahren in der Bundesliga mit dem FCA bist dann in die USA gewechselt, obwohl du auch Angebote aus Europa hattest.
Die MLS war immer eine Option, die mich sehr gereizt hat. Der Zeitpunkt für eine neue Herausforderung war eigentlich perfekt. Das Angebot von Sporting Kansas City kam quasi genau im richtigen Augenblick und so konnte ich mich mit meiner Familie auf ein neues Abenteuer einlassen.

Nach Kansas City folgten noch die Klubs Ottawa Fury, Vancouver Whitecaps und jetzt der Pacific FC. Wie waren deine Erfahrungen in der MLS?
Die Liga ist sehr gut organisiert. Ich muss zugeben, dass ich sie anfangs etwas unterschätzt habe. In Europa wird schneller und kampfbetonter gespielt, aber technisch ist das schon auf einem hohen Niveau. Anstrengend sind die Auswärtsspiele, man ist ständig mit dem Flieger unterwegs und manchmal ist man bis zu drei Tage für ein Auswärtsspiel auf Achse.

Wie bewältigt man die verschiedenen Zeitzonen?
Das hat mir anfangs zu schaffen gemacht, aber man gewöhnt sich daran. Wir behalten unseren Biorhythmus bei, trotz der Zeitunterschiede. Wenn wir beispielsweise drei Stunden Zeitunterschied haben, frühstücken wir anstatt um 8 eben um 11 Uhr. Und so handhaben wir es auch mit den weiteren Mahlzeiten oder mit der Bettruhe. Auf diese Weise lässt sich das einigermaßen kompensieren.

Du hast 56 Länderspiele für Kanada absolviert und bist gut in der Weltgeschichte herumgekommen. Oft ging es auch gegen exotische Gegner wie Mauretanien, Französisch-Guayana, Curacao oder Bermuda gespielt.
Durch die WM-Quali oder bestimmte Turniere kommt man in den Genuss, in solche Länder reisen zu dürfen. Ich habe diese Trips sehr genossen, es war immer eine tolle Erfahrung mit anderen Ländern, Menschen und Kulturen.

Du bist 33 Jahre alt. Denkst du schon an die Zeit nach der Karriere oder willst du noch spielen bis du 40 bist?
Ich will noch mindestens zwei, drei Jahre spielen. In der letzten Saison habe ich mir die Achillessehne gerissen und war fast ein Jahr draußen. Jetzt bin ich aber wieder fit und will noch einmal angreifen. Aber mit einem Auge schiele ich schon auf die Zeit danach. Ich bin seit Kurzem bei Pacific FC in der Juniorenabteilung als Trainer aktiv. Das macht mir großen Spaß. Ich will meine Trainerscheine machen und dann in dieser Richtung weitermachen.

Wie sehr verfolgst du noch den FCA?
Sehr intensiv, ich verfolge alle News auf Facebook und Instagram und wenn es möglich ist, schaue ich auch Spiele an. Augsburg war meine schönste Zeit bisher, hier ist mein Kind auf die Welt gekommen, ich habe dort geheiratet und hatte sportliche Erfolge. Vor eineinhalb Jahren waren wir zum letzten Mal dort und haben viele Bekannte und Freunde besucht. Der FCA wird immer in meinem Herzen bleiben.

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Stadionkurier