Ibrahimović: "Man sieht, wie viel Energie in der Mannschaft steckt"
Stadionkurier-Interview
Mit 20 Jahren hat Arijon Ibrahimović bereits einiges erlebt: Der in Nürnberg geborene Offensivspieler wechselte früh zum FC Bayern, debütierte mit 17 in der Bundesliga und sammelte zudem Erfahrungen in Italien und beim 1. FC Heidenheim. Seit diesem Sommer steht er beim FC Augsburg unter Vertrag. Vor dem Duell mit Union Berlin spricht er über seinen Start beim FCA, wichtige Stationen seiner Karriere und seine Ziele für die kommenden Wochen.
Arijon, vergangene Woche war es ein wildes Spiel in Elversberg, am Ende stand eine 3:4-Niederlage. Welche Erkenntnisse nehmt ihr aus dieser Partie mit?
Dass wir von der ersten Minute an nicht richtig im Spiel waren, unnötige Fehler gemacht haben und beim Handspiel etwas Pech hatten. Auch das zweite Gegentor müssen wir besser verteidigen. Positiv ist aber, dass wir vor allem nach der Pause immer besser in die Partie gekommen und mit den Einwechslungen noch einmal neuer Schwung ins Spiel. Trotzdem muss man sagen: Es war einfach nicht unser Wochenende.
Seit deinem Wechsel im Sommer hast du vier Einsätze für den FCA absolviert, jedes Mal in der Startelf. Bist du zufrieden mit deinem Start in Augsburg?
Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden. Ich habe viele Minuten bekommen und wurde von der Mannschaft sehr gut aufgenommen. Es macht unheimlich viel Spaß mit den Jungs. Wenn man Spiele wie gegen Bayern sieht, in denen wir von der ersten bis zur letzten Minute gekämpft haben, aber auch andere Partien, dann sieht man einfach, wie viel Energie in der Mannschaft steckt. Hoffentlich geht es genauso weiter.
Du hast einen interessanten Werdegang hinter dir: in Nürnberg geboren, zunächst bei der SpVgg Greuther Fürth, dann beim 1. FC Nürnberg – und mit zwölf Jahren der Wechsel zum FC Bayern München.
Ich bin damals alleine nach München ins Internat gezogen. Meine Eltern haben zuerst Nein gesagt, aber ich war sofort Feuer und Flamme und wollte unbedingt zum FC Bayern. Am Ende habe ich es geschafft, sie zu überreden. Es waren auf jeden Fall sehr schöne Jahre in München.
Du hast einige Stationen gemeinsam mit deinem Bruder durchlaufen.
Er war damals auch gleichzeitig mit mir in Fürth und Nürnberg. Wir sind immer zusammen gewechselt. Dann habe ich den Sprung nach München gemacht, während er in Nürnberg geblieben ist. Heute spielt er im Amateurbereich.
Mit 14 wurdest du in die U17 hochgezogen und mit 15 hast du schon bei den Profis mittrainiert – wann hast du selbst gemerkt: Ich kann es wirklich bis ganz nach oben schaffen?
Auf jeden Fall in dem Moment, als mir Julian Nagelsmann gesagt hat, dass ich bei den Profis mittrainieren darf. Für mich ist damals ein kleiner Kindheitstraum in Erfüllung gegangen – vor allem, weil ich mit 15 noch extrem jung war. Das hat mir noch einmal einen großen Push gegeben und mir gezeigt, dass ich weiter hart arbeiten muss, um auf höchstem Niveau spielen zu können.
Wie war es für dich, als Jugendspieler plötzlich mit den Bayern-Profis auf dem Platz zu stehen – eher Motivation, Ehrfurcht oder auch Druck?
Am Anfang war ich schon ein bisschen „Fanboy“. Plötzlich sitzt man mit den Stars, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, in der Kabine und trainiert mit ihnen. Auf dem Platz wollte ich das aber ausblenden. Anfangs war ich natürlich aufgeregt, doch mit der Zeit wurde es besser. Ich habe versucht, so viel wie möglich mitzunehmen und mir von den Jungs etwas abzuschauen
Dein Bundesliga-Debüt hast du im Februar 2023 beim 3:0-Sieg gegen den VfL Bochum gefeiert – im Alter von 17 Jahren und 63 Tagen. Damit bist du der zweitjüngste Bundesliga-Spieler der Bayern-Geschichte nach Paul Wanner. Welche Erinnerungen hast du noch an diesen besonderen Moment?
Mein erstes Bundesliga-Spiel in der Allianz Arena war schon immer ein Traum von mir – und den habe ich mir erfüllt. Ich weiß noch, dass ich damals zwei große Chancen hatte, die der Bochumer Torwart stark pariert hat. Dieser Moment hat mich zusätzlich motiviert, weiter hart zu arbeiten, um auf höchstem Niveau zu spielen und hoffentlich noch öfter vor so einer Kulisse auflaufen zu dürfen.
Danach ging es für dich nach Italien – per Leihe in die Serie A zu Frosinone Calcio und später zu Lazio Rom. Noch in sehr jungen Jahren: Wie hast du diese Zeit erlebt und was hast du daraus mitgenommen?
Ich war damals 17, als ich nach Italien gegangen bin. Ehrlich gesagt habe ich nicht lange überlegt, als das Angebot kam, sondern die Chance einfach ergriffen – das war auch gut so. Diese Zeit hat mich ein gutes Stück erwachsener gemacht. Es war ein sehr lehrreiches Jahr, in dem ich im Positiven wie im Negativen viel mitgenommen habe. Vor allem habe ich gelernt, wie die Fußballwelt funktioniert und was es heißt, auf höchstem Niveau zu spielen und zu trainieren. Das hat mir sehr gutgetan.
In der vergangenen Saison folgte die nächste Leihe zum 1. FC Heidenheim. Für dich persönlich war das so etwas wie der Durchbruch – auch wenn am Ende der Abstieg stand. Wie blickst du heute auf diese Zeit zurück?
Es war eine schöne Zeit, die ich nicht vergessen werde. Wir sind trotz einer guten Rückrunde abgestiegen, aber die gemeinsame Zeit mit der Mannschaft, dem Trainerteam und dem ganzen Verein war trotzdem etwas Besonderes. Wir sind zusammen durch gute und schwierige Phasen gegangen und haben immer zusammengestanden. Dafür und für das Vertrauen, das mir geschenkt wurde, bin ich dem 1. FC Heidenheim sehr dankbar.
In Heidenheim hast du mit Hennes Behrens zusammengespielt, jetzt seid ihr wieder hier vereint. Gibt es – neben Hennes – noch weitere Spieler beim FCA, die du schon länger kennst oder zu denen du einen besonders guten Draht hast?
Mert kenne ich, seit ich zehn Jahre alt bin – wir haben schon in der Jugend oft gegeneinander gespielt. Auch mit Marius Wolf verstehe ich mich sehr gut. Grundsätzlich wurde ich aber von allen in der Kabine super aufgenommen, und es macht Spaß mit den Jungs.

Auf euch wartet jetzt eine spannende Woche: erst das Heimspiel gegen Union Berlin, dann der Pokal in Großaspach und anschließend das Duell mit Freiburg. Wie bereitet ihr euch auf diese intensive Phase vor?
Es ist eine wichtige Phase für uns, die wir gut meistern müssen. Natürlich hoffe ich auch, dass wir von Verletzungen verschont bleiben. Unser Anspruch ist es, jedes Spiel zu gewinnen und in jeder Partie die drei Punkte mitzunehmen – das ist ganz klar unser Ziel.
Union Berlin ist zuletzt zweimal in Folge ohne Gegentor geblieben. Wie wollt ihr ihre Defensive knacken?
Union Berlin spielt unter dem neuen Trainer ein anderes System. Sie verteidigen nun mit einer Viererkette, nachdem sie in der Vorsaison noch mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette agiert haben. Wir werden den Gegner genau analysieren und wollen unser eigenes Spiel konsequent durchziehen.
Und zum Schluss: Dein Tipp für heute?
2:0 für uns!
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