Brackelmann: "Man muss sich von Spiel zu Spiel beweisen"
Stadionkurier-Interview
Im Sommer wechselte Calvin Brackelmann ablösefrei vom Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn zum FCA. In den ersten beiden Spielen stand der 27-jährige Innenverteidiger direkt in der Startelf und trug seinen Teil dazu bei, dass beide Partien gewonnen wurden und die Rot-Grün-Weißen nur ein Gegentor kassierten. Vor dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen spricht der Neuzugang über den Saisonstart, seinen Karriereweg und darüber, wie er sich in Augsburg eingelebt hat.
Calvin, zwei Spiele, zwei Siege, Tabellenführer – wie hört sich das für dich an?
Besser kann es eigentlich nicht laufen: die ersten beiden Bundesliga-Spiele, zwei Siege und nur ein Gegentor. Das fühlt sich natürlich sehr gut an. Entsprechend gut war auch die Stimmung nach dem Spiel, als wir mit dem Bus zurückgefahren sind.
In Frankfurt war es ein schweres Stück Arbeit. In der ersten Halbzeit habt ihr keine gute Leistung gezeigt, nach der Pause kam dann plötzlich die Wende. Wie erklärst du dir das?
Wir haben uns in der Halbzeit zusammengesetzt und darüber gesprochen, woran es in der ersten Halbzeit gelegen hat. Wir sind nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen, waren nicht so griffig, wie wir es hätten sein müssen. Dann haben wir ein paar Dinge umgestellt – und der Doppelschlag nach der Pause hat uns natürlich enorm beflügelt.
Sowohl gegen Schalke als auch in Frankfurt standest du in der Startelf. Bist du zufrieden mit deinem Start nach dem Wechsel im Sommer?
Natürlich freue ich mich, dass ich die ersten beiden Spiele direkt von Anfang an machen durfte. Das gibt mir ein gutes Gefühl für die kommenden Wochen.
Du hast zuletzt gesagt, dass du dir deinen Platz im Team erst erkämpfen musst. Mit Juma Bah ist die Konkurrenz nun noch größer geworden. Wie gehst du mit dieser Situation um?
Das ist Bundesliga – Konkurrenzkampf gehört immer dazu. Man muss sich von Spiel zu Spiel beweisen, jede Woche arbeiten und Gas geben, damit man seinen Platz behält.
Erst ein Gegentor in den ersten beiden Spielen – was macht euch aktuell defensiv so stark?
Wir hätten auch gegen Schalke ein Tor kassieren können, da hatten wir in der Anfangsphase sicher auch ein bisschen Glück. Aber grundsätzlich zeichnet uns aktuell die Stabilität in der Defensive aus. Außerdem gelingt es uns derzeit, schnell umzuschalten und viele Torchancen zu kreieren.

Dein Weg in den Profifußball war lang und steinig: Handorf, Lüneburg, HSV, Rostock, Köln, Schalke II, Rödinghausen, Lübeck, Ingolstadt, Paderborn. Wenn du heute zurückblickst: Was hat dich dieser Weg gelehrt?
Dieser Weg hat mich sehr geprägt, mich kann heute nicht mehr so viel umwerfen. (lacht) Ich bin schon früh ins Internat nach Rostock gekommen und dadurch schnell erwachsen geworden. Ich hatte viele Rückschläge und musste mich immer wieder zurückkämpfen. Nach meinem Kreuzbandriss 2020 war ich sogar kurz davor, mit dem Fußball aufzuhören. In Lübeck habe ich dann den Spaß am Fußball wiedergefunden, in Ingolstadt ein gutes Jahr gehabt, und in Paderborn hätte ich es mir am Ende kaum besser vorstellen können.
Vor deinem Wechsel hattest du in Paderborn einen perfekten Abschied: In der Relegation habt ihr Wolfsburg geschlagen. Was war das für ein Moment?
Die Spiele davor waren nicht so gut von mir, ich hatte viel im Kopf – auch wegen eines möglichen Wechsels. In der Relegation wollte ich mich dann einfach zusammenreißen und eine gute Leistung bringen. Dass dann noch ein Assist dazukam und wir Wolfsburg geschlagen haben, war natürlich ein perfekter Abschied.
Verfolgst du Paderborn in der Bundesliga?
Ja, total. Ich bin bei ihren Spielen fast aufgeregter als bei meinen eigenen. Ich habe beide Spiele gesehen. Gegen Freiburg hätte ich ihnen einen Punkt gewünscht. Aber sie werden ihre Punkte noch holen – auch wenn es schwer wird.
"Ich musste mich immer wieder zurückkämpfen"
Wie hast du dich bisher in Augsburg eingelebt?
Die ersten drei Wochen waren schon ziemlich intensiv. Ich bin direkt vom Ballermann hierhergekommen, und dazu kam noch die Eingewöhnung meiner Tochter in der Kita. Aber wir haben uns wirklich super eingelebt, ein schönes Haus gefunden und fühlen uns mit meiner Frau, meiner Tochter und unserem Hund sehr wohl hier. Augsburg gefällt uns insgesamt sehr gut und hat außerdem ein paar schöne Restaurants.
Mit welchem Mitspieler im Team verstehst du dich bislang am besten?
Mit Anton Kade. Ich habe mit seinem Bruder schon in der U18 und U19 zusammengespielt, und die beiden sind sich ziemlich ähnlich. Mit seinem Bruder habe ich mich damals auch schon sehr gut verstanden.
Jetzt wartet mit Leverkusen der nächste schwere Gegner. Nach der Auftaktniederlage haben sie mit dem 4:0 gegen Union eine starke Antwort gegeben. Wie schätzt du Leverkusen aktuell ein?
Leverkusen ist eine starke Mannschaft – offensiv wie defensiv. Sie haben zwar gegen Elversberg verloren, aber die sind aktuell auch richtig torhungrig. Wie jedes Spiel wird auch das wieder schwer. Wir müssen uns gut vorbereiten, defensiv stabil stehen und unsere Momente nutzen. Wenn dann noch die Mentalität stimmt und wir die Fans mitnehmen, ist definitiv etwas möglich.
Zum Abschluss: Dein Tipp für das heutige Spiel?
Zu Null – das ist das Wichtigste.