Gouweleeuw: "Es war ein ganz besonderer Tag"
Stadionkurier-Interview
Seit Januar 2016 spielt Jeffrey Gouweleeuw für den FC Augsburg. Beim Spiel gegen Union Berlin absolvierte der 35-jährige Niederländer sein 275. Bundesliga-Spiel für Rot-Grün-Weiß und ist damit alleiniger Rekordspieler des Klubs in der Bundesliga. Im Interview spricht der Innenverteidiger über diesen Meilenstein, besondere Momente seiner FCA-Zeit und das bevorstehende Heimspiel gegen den SC Freiburg.
Jeff, 275 Bundesliga-Spiele für Rot-Grün-Weiß – das hat vor dir noch niemand geschafft. Wie viele Glückwünsche haben dich in den vergangenen Tagen erreicht?
Sehr viele. Mein Handy ist praktisch explodiert. Ich konnte gar nicht auf alle Nachrichten reagieren. Es war ein ganz besonderer Tag für mich und ich habe mich sehr darüber gefreut.
Du hast den Vereinsrekord geknackt – was bedeutet dir diese Marke persönlich?
Das macht mich sehr stolz. Ich habe ja immer wieder gesagt, dass es ein großes Ziel von mir war, hier Rekordspieler zu werden. Wegen meiner Verletzungen im vergangenen Jahr, als ich lange nicht spielen konnte, musste ich ein bisschen auf diesen Moment warten. Umso größer war am Ende die Freude.
Du bist inzwischen seit über zehn Jahren beim FCA. Gibt es ein Spiel, an das du besonders gerne zurückdenkst?
Da gibt es viele Spiele, auch wenn man manche schon wieder vergessen hat. Aber an mein erstes Spiel gegen Bayern München in unserer Arena erinnere ich mich natürlich noch gut, das gleichzeitig mein Startelf-Debüt. Sehr besonders war auch mein erstes Spiel nach meiner schwierigen Lungenverletzung 2016. Oder im März 2025 auswärts in Dortmund, als ich per Kopf das Siegtor geschossen habe.
In all den Jahren standest du beim FCA mit vielen verschiedenen Mitspielern auf dem Platz. Hast du eine Idee, mit welchem Feldspieler du die meisten Minuten gemeinsam gespielt hast? Kleiner Tipp: Ein Torwart ist es nicht – es sind 7.498 Minuten.
Da muss ich echt überlegen. Es gibt einige Spieler, die infrage kommen. Vielleicht Michael Gregoritsch?
Es ist tatsächlich Felix Uduokhai.
Das ist mir gerade auch durch den Kopf gegangen. Ich habe vier oder fünf Jahre mit ihm zusammengespielt. Schon ein Zufall, dass ich ausgerechnet in einem Spiel gegen ihn diesen Rekord geschafft habe.
Zum Rekord haben sich sicher auch einige ehemalige Weggefährten gemeldet. Gab es eine Nachricht, über die du dich besonders gefreut hast?
Es haben sich viele Menschen bei mir gemeldet – aus meiner Familie, aus meinem Freundeskreis, aber auch ehemalige Mitspieler. Eine ganz besondere Nachricht kam von Dani Baier. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass er an mich gedacht und sich so mit mir gefreut hat. So lange bei einem Verein zu spielen, ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.
Seit deinem Wechsel nach Augsburg hat sich im und um den Verein vieles verändert. Wie hast du diese Entwicklung erlebt?
Es hat sich unglaublich viel verändert, vor allem bei der Infrastruktur. Das Stadion, die Kabine, der Kraftraum, die Trainingsplätze: Die Rahmenbedingungen haben sich in vielen Bereichen verbessert. Der Verein hat insgesamt eine super Entwicklung genommen.
In diesen vielen Jahren gab es sportlich wie persönlich Höhen und Tiefen. Wie hast du den FCA in diesen unterschiedlichen Phasen erlebt?
Als ich im Winter 2016 gekommen bin, kannte ich den Klub noch nicht so gut – eigentlich nur von den Europa-League-Spielen mit Alkmaar gegen Augsburg. Über die Jahre habe ich den Verein und auch die Stadt immer besser kennengelernt und mich hier immer sehr wohlgefühlt. Natürlich kamen auch Verletzungen dazwischen. In solchen Phasen braucht man viel Geduld, um das zu überstehen. Ich habe aber immer versucht, so schnell wie möglich zurückzukommen und der Mannschaft wieder zu helfen.
Wer hat dir in solchen Phasen besonders geholfen?
Vor allem meine Familie hat mir in solchen Phasen sehr geholfen, allen voran meine Frau, meine Kinder, meine Schwiegerfamilie und meine Freunde. Aber natürlich auch der Verein, mit dem ich inzwischen schon so lange zusammenarbeite.
275 Bundesliga-Spiele bedeuten auch: 275 Mal haben sich Kommentatoren an deinem Nachnamen versucht – mit teils sehr kreativen Ergebnissen. Nimmst du das mit Humor?
Ja, da habe ich schon einige Varianten gehört. Ich tue mich manchmal selbst noch schwer, ihn zu buchstabieren. Da war schon vieles dabei. Am einfachsten ist es wahrscheinlich, wenn einfach alle Jeff sagen.
Du bist jetzt nicht nur niederländischer Rekordspieler in der Bundesliga, sondern auch Rekordhalter beim FCA. Welche Ziele hast du als Nächstes vor Augen?
Ich schaue gar nicht so weit voraus. Die 300 Pflichtspiele für den FCA sind jetzt natürlich ein Thema, da fehlen noch neun oder zehn Spiele. Das ist realistisch. Wichtig ist für mich in meinem Alter vor allem, dass ich noch Spaß habe, jeden Tag zu trainieren und den Konkurrenzkampf anzunehmen. Dann werden wir sehen, wie viele Spiele am Ende noch dazukommen.
Zum Abschluss der Blick nach vorn: In der Liga wartet jetzt das Heimspiel gegen den SC Freiburg. Was erwartest du für eine Partie?
Das wird eine schwierige Aufgabe. Freiburg hat sich in den vergangenen Jahren extrem gut entwickelt, ist eine sehr starke Mannschaft und spielt schon lange zusammen. Trotzdem ist es auch eine schöne Aufgabe für uns. Zuhause haben wir immer die Chance, solche Spiele zu gewinnen, und genau das ist unser Ziel.
An welchen Stellschrauben muss gedreht werden, um wieder in die Erfolgsspur zu finden?
Defensiv müssen wir stabil sein. Es gab gegen Union Berlin Momente, die wir besser hätten lösen können. Das müssen wir gegen Freiburg besser machen.
Dein Tipp für das Spiel?
2:0.
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