Profis16.02.16

"Kalle" Riedle: Von Augsburg bis Liverpool

Als dem FC Augsburg im Dezember der FC Liverpool als Europa-League-Gegner zugelost wurde, kannte die Freude bei den FCA-Anhängern keine Grenze. Einer der Traditionsvereine Englands wird in die WWK ARENA reisen. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass ein ehemaliger LFC-Spieler in seinen frühen Tagen die Schuhe für den FC Augsburg schnürte. Karl-Heinz Riedle – Weltmeister, Champions-League-Sieger, dreifacher Deutscher Meister. Die Liste seiner Erfolge ist lang. Er spielte für große Mannschaften wie Lazio Rom, Borussia Dortmund und eben den FC Liverpool. Doch bis es dazu kam, hatte der heute 50-Jährige einen langen Weg hinter sich. Mit 16 Jahren wurde der im Allgäu geborene "Kalle" Riedle vom FC Augsburg zum Probetraining eingeladen. Der damalige A-Junioren-Trainer Heiner Schumann erkannte das Potential des jungen Stürmers und lotste ihn in die Fuggerstadt. Auch im Senioren-Bereich ging Riedle von 1984 bis 1986 auf Punktejagt, unter anderem mit FCA-Spieler Armin Veh. In seiner zweiten Saison in der Bayernliga erzielte der Allgäuer 21 Treffer. "Diese Zeit war für mich sehr lehrreich und auch nicht ganz einfach, weil ich damals parallel zum Fußball meinen Wehrdienst absolvieren musste. Es war eine sehr schöne Zeit in Augsburg, und Armin Veh war damals der überragende Akteur in unserer Mannschaft. Letztendlich habe ich in Augsburg den Grundstein für alles gelegt", blickt der Ex-Profi auf seine erste Senioren-Erfahrung zurück.

Über die Zwischenstation Blau-Weiß 90 Berlin folgte 1987 der Sprung in die Bundesliga zu Werder Bremen, wo der 1,79-Meter große Stürmer direkt die Deutsche Meisterschaft feiern konnte. Nicht direkt zu einem Spitzenklub gewechselt zu sein, bereut "Kalle" Riedle nicht, im Gegenteil habe es seiner Entwicklung nur gut getan. "Ich hatte auf meinem Weg immer die richtigen Trainer, die mich gefördert haben. Ich bin zu Werder gegangen, weil Otto Rehhagel dort Trainer war, obwohl ich finanziell lukrativere Angebot aus der Bundesliga hatte." In seiner Zeit in Bremen schaffte "Air Riedle", wie er wegen seiner enormen Sprungkraft genannt wurde, den endgültigen Durchbruch. 1990 wechselte er für eine Rekordsumme zu Lazio Rom, erzielte 30 Tore in 84 Spielen und avancierte zum Publikumsliebling.

In seiner nächsten Station Borussia Dortmund feierte er zwei Meistertitel und ebnete am 28. Mai 1997 mit seinen zwei Treffern gegen die damalige Übermannschaft Juventus Turin den Dortmunder Weg zum Champions-League-Titel. "Die Champions League zu gewinnen, ist das Größte, was man im Vereinsfußball erreichen kann. Wenn man auch noch mit zwei Toren zum Sieg beiträgt, ist das natürlich ein Erlebnis, dass sich nur schwer toppen lässt", schwärmt der ehemalige Stürmer. Wird er auf das gewonnene Finale angesprochen, kommen auch häufig zwei alte BVB-interne Geschichten auf den Tisch.

Die etwas bekanntere Anekdote ist, dass Riedle in der Nacht vor dem Champions-League-Finale die Vision gehabt habe, dass er im Endspiel treffen werde. Die zweite – nicht ganz so bekannte Geschichte – handelt von einer verloren Wette. So musste der Allgäuer noch in der Kabine nach dem Titelgewinn gewisse Wettschulden einlösen. Sein damaliger schottischer Teamkollege Paul Lambert hatte ein Auge auf Riedles angesagte Rolex Daytona-Uhr geworfen und ihn so genervt, dass er ihm die Uhr beim Finalsieg versprochen hatte.

Nach diesem grandiosen Titelgewinn standen für Air Riedle die Zeichen erneut auf Abschied. Nach der italienischen Serie A und der Bundesliga zog es den damals 32-Jährigen über den großen Teich in die Premier League. Beim FC Liverpool spielte Karl-Heinz Riedle zwei Jahre, in denen er meistens im Schatten des damaligen Youngsters Michael Owen stand. Dennoch wurden die "Scousers", die seit 1990 auf einen Meistertitel warten, im ersten Jahr nach Riedles-Wechsel zumindest Dritter der Premier League. Und obwohl die Zeit bei den "Reds" nicht zu den erfolgreichsten seiner Karriere gehörten, blickt der 50-Jährige gerne auf die Zeit zurück. "Liverpool hat alles noch einmal getoppt. Dieser Verein ist einfach etwas ganz Besonderes, der Spirit, der von diesem Klub ausgeht, ist unglaublich, das hat schon beinahe religiöse Züge. Und die Fans sind einzigartig", spricht Riedle voller Lob von dieser Fußball-Station.

Der anschließende Wechsel zum Zweitligisten FC Fulham läutetet das Ende einer großen Sportler-Karriere ein, 2001 hängte er die Fußballschuhe an den Nagel. Doch auch nach der Karriere konnte sich der Ex-Profi der Faszination Fußball nicht komplett entziehen. In Oberstaufen (Oberallgäu) eröffnete er ein Sporthotel und eine Fußballschule für junge Nachwuchskicker. Und in diesem Hotel nächtigte auch schon der FC Augsburg.