Profis14.08.14

"Nicht auf leichte Schulter nehmen"

Es wird ernst für den FC Augsburg: Am Sonntag, 17. August, (18.30 Uhr) geht es für das Team von Markus Weinzierl in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen den 1. FC Magdeburg. Dessen goldenes Jahrzehnt liegt lange zurück, und doch hat der Klub noch immer eine große Strahlkraft.

Nachdem Wolfgang Seguin in der 74. Minute das 2:0 erzielt hatte, war die Sensation der Saison 1973/1974 perfekt: Der 1. FC Magedburg holte sich mit einer Mannschaft, die ausschließlich aus Spielern aus dem Bezirk Magdeburg zusammengestellt wurde, gegen den favorisierten AC Mailand den Europapokal der Pokalsieger. In der Rückschau sollte dies nicht nur der größte Erfolg der Vereinsgeschichte – insgesamt wurde der Verein dreimal DDR-Meister und siebenmal FDGB-Pokalsieger – , sondern auch der einzige Europacup-Sieg einer Mannschaft aus der DDR bleiben.

40 Jahre später ist in Magedburg an den Europapokal nicht mehr zu denken. Der 1. FCM spielt mittlerweile in der viertklassigen Regionalliga Nordost und kämpft um die Rückkehr in den bezahlten Profifußball. Der Niedergang wurde wie bei so vielen Vereinen aus der ehemaligen DDR zur Zeit der Wiedervereinigung eingeleitet. Nach einem zehnten Platz in der letzten Spielzeit der DDR-Oberliga 1990/1991 spielte Magdeburg zwar um die Qualifikation zur Zweiten Liga, scheiterte dort jedoch und musste den Gang in die drittklassige Oberliga antreten. In den Jahren danach pendelte der Verein zwischen Dritt- und Viertklassigkeit.

Doch auch in sportlich schweren Zeiten stehen die Fans hinter dem Verein. So konnte der Klub für die aktuelle Spielzeit rund 2.000 Dauerkarten absetzen und liegt mit einem Zuschauerschnitt von rund 5.500 auf den vorderen Plätzen der insgesamt 90 Regionalligisten. Mit dem zwölften Mann im Rücken soll der Aufstieg nun in den kommenden Jahren realisiert werden. In der vergangenen Saison musste sich der FCM hinter der TSG Neustrelitz mit dem zweiten Tabellenplatz begnügen, der nicht zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigte. Doch die gerade angelaufene Spielzeit unter dem neuen Trainer Jens Härtel begann holprig: Einem 3:2-Auftaktsieg gegen die U23 von Union Berlin folgte eine ernüchternde 2:4-Niederlage gegen Germania Halberstadt.

Für FCA-Trainer Markus Weinzierl ist Magdeburg trotzdem der erste Gradmesser für die kommende vierte Bundesliga-Spielzeit: „Wir freuen uns, dass es nach der intensiven Vorbereitung wieder los geht. Wir wollen mit einem Sieg und einer guten Leistung in Magdeburg Selbstvertrauen für den Ligastart in Hoffenheim sammeln.“ Nach siebenwöchiger Vorbereitung geht der FCA zwar als Favorit in die Partie, doch auch der Fußball-Lehrer weiß, dass Spiele gegen unterklassige Mannschaften keine Selbstläufer sind: "Wir haben sie selbstverständlich beobachtet und werden das Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen. Magdeburg ist ein unangenehmer Gegner, der uns alles abverlangen wird und seine Chance als Außenseiter nutzen möchte.“

Personell muss Weinzierl bereits zu Beginn der Pflichtspiele verletzungsbedingt auf einige Spieler verzichten. So stehen Jan Moravek (Kreuzbandriss), Raul Bobadilla (Muskelverletzung), Markus Feulner (Schulterverletzung), Jeong-Ho Hong (Fußprobleme) sowie Alexander Esswein (unverschobener Bruch der Kniescheibenspitze) nicht zur Verfügung.

Seinen Magdeburger Trainerkollegen Jens Härtel kennt Markus Weinzierl noch aus der gemeinsamen Zeit beim Trainerlehrgang: "Wir haben uns beim Fußball-Lehrer-Lehrgang kennengelernt und hatten dort eine intensive und lehrreiche Zeit. Er ist ein sympathischer Typ, dem ich mit Ausnahme des DFB-Pokal-Spiels viel Erfolg wünsche." Daher ist Weinzierl auch bewusst, dass Härtel weiß, wie sich Pokalsensationen anfühlen. In der ersten Runde des DFB-Pokals 2012/2013 schlug er überraschend und völlig verdient als Trainer des Regionalligisten Berliner AK 07 die TSG 1899 Hoffenheim 4:0. Der FCA ist vorgewarnt.