18.10.11

Reaktion auf Blickpunkt Sport-Sendung

In einem offenen Brief an Werner Rabe, Sportchef des Bayerischen Rundfunks, nimmt Peter Bircks, Aufsichtsratsvorsitzender des FC Augsburg, zur aktuellen Berichterstattung in der Sendung Blickpunkt Sport vom Montag, 17. Oktober, Stellung:

 

Sehr geehrter Herr Rabe,

ich habe mich auf die gestrige Sendung „Blickpunkt Sport" sehr gefreut, nachdem unser Geschäftsführer Andreas Rettig ja bereits einige Tage vor dem Sieg unserer Mannschaft in Mainz den Besuch in Ihrem Studio zugesagt und mir angekündigt hatte. Um ehrlich zu sein war ich - und diese Meinung habe ich nicht exklusiv -von der Sendung und dem Gesprächsverlauf mit Herrn Rettig mehr als enttäuscht. Um konkret zu werden:

  1. Der Beitrag von Herrn Materna beschäftigte sich mit fehlender Euphorie in Augsburg. Hier stellt der Autor fest, dass man von Euphorie in Augsburg nichts merkt und nimmt als Beleg eine Passantenumfrage am Montagmorgen in der Augsburger Innenstadt als Grundlage sowie einen Besuch im FCA-Cafe am Vormittag eines Arbeitstages. Auch wenn der Sieg als „historisch" (weil es der erste der Vereinsgeschichte in der Bundesliga ist) anzusehen ist, stellt sich uns die Frage, was Sie hier erwartet haben. Wir haben nach einem Sieg nicht erwartet, dass Menschen mit Trikots und lautstark singend um diese Uhrzeit durch die Stadt laufen. Auch nicht erwartet haben wir, dass wir für unser kommendes Spiel gegen Werder Bremen nach acht Spielen ohne Sieg in der Bundesliga bereits mehr als eine Woche vor der Partie „ausverkauft" melden können. Fehlende Euphorie?
  2. Der Beitrag von Herrn Kirsch beschäftigt sich mit den Neuzugängen und deren „fehlender Qualität". Hier wäre es schön gewesen, wenn Sie Ihren Zuschauern mitgeteilt hätten, dass am Samstag in Mainz zum ersten Mal vier Neuzugänge in der Startelf gestanden haben. Auf den despektierlichen und leicht verhöhnenden Vergleich mit Tasmania Berlin hat unser Spieler Daniel Baier bereits richtigerweise reagiert. Im gleichen Atemzug wird ein „5-Millionen-Loch" (worauf bezieht sich dieses?) angesprochen, wobei wir bei all unseren Entscheidungen doch immer die wirtschaftliche Vernunft in den Vordergrund stellen und Sie dieses zuvor bei den Personalentscheidungen kritisieren.
  3. Einen breiten Raum geben Sie dem Thema Michael Thurk, der am 1. August - also vor mehr als zweieinhalb Monaten - freigestellt wurde, obwohl das Thema in den Medien wochenlang behandelt wurde und unser Präsident kürzlich noch einmal die Endgültigkeit der Entscheidung öffentlich erklärt hatte. Warum dann drei Mal in der Gesprächsrunde diese Entscheidung thematisiert wurde, habe nicht nur ich nicht verstanden. Bewundert habe ich dagegen unseren Geschäftsführer, dass er dabei so ruhig und gelassen geblieben ist.
  4. Nahtlos reiht sich die Lauf-Statistik an den roten Faden der tendenziell negativen Berichterstattung des gestrigen Abends an. Sie suggerieren, dass die Laufleistung den Grund für sportlich nicht zufriedenstellende Ergebnisse darstellt, obwohl in der Tabelle der SC Freiburg die höchste Laufleistung aufweist, der übrigens in der Tabelle hinter uns liegt. Nach unserer Information ist auch der FC Bayern München im letzten Drittel in dieser Tabelle zu finden. Dass am letzten Samstag unser Tor in der 88. Minute fällt und in der Schlussminute auch noch Tobias Werner eine 100%ige Chance hat, könnte man ebenfalls als Fingerzeig für die physische Fitness unserer Mannschaft deuten.

Es mag für Sie polemisch klingen aber irgendwie kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass unser Sieg in Mainz den „Machern" Ihrer Sendung so gar nicht in den Kram passte. Hätte man nach einer erneuten Niederlage doch noch viel schöner auf die „bundesligauntauglichen" Augsburger einschlagen können. Ich hoffe sehr, dass mein Gefühl hier trügt.

Lieber Herr Rabe, wir freuen uns auf die nächste Einladung Ihres Hauses an einen FCA-Vertreter zur Sendung Blickpunkt Sport und hoffen, dass Sie Ihren vielen BR-Zuschauern dann eine ausgewogene Berichterstattung leisten können.

PS: Mit welcher Polemik Sie auf Kritik an Ihrer Sendung reagieren, hat einer Ihrer Redakteure in einer uns vor liegenden Mail eindrucksvoll bewiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Bircks

Aufsichtsratsvorsitzender